Die esoterische Lehre des Wat Phra Dhammakāya

Es gibt einen englischsprachigen, wissenschaftlichen Artikel zur Dhammakāya-Bewegung, der im Journal of Buddhist Ethics, Volume 19, 2012 veröffentlicht wurde:

Chedi des Wat Phra Dhammakaya bei Nacht

Chedi des Wat Phra Dhammakaya bei Nacht

In der Zusammenfassung des Artikels heißt es:

Thailand’s umstrittenes Wat Phra Dhammakāya ist exponentiell gewachsen. In gerade mal drei Jahrzehnten hat es Millionen von Anhängern in- und außerhalb von Thailand bekommen und über vierzig Zweigstellen in Übersee. Die esoterische Lehre der Meditation, die die Führung dieser Gemeinschaft unterrichtet, hat tausende junger Männer und Frauen von verschiedenen Universitäten dazu inspiriert, ihr Leben zu opfern, um ihrem Meister zu dienen, etwas, das niemals zuvor in Thailand oder anderswo in der Welt des Theravāda zu sehen war. Was ist die Natur dieser esoterischen Lehre? Warum ist sie so ansprechend für diese jungen Köpfe? Diese Fragen werden vom Autor diskutiert und analysiert, der einer von Wat Phra Dhammakāya’s Gründungsmitgliedern war.

Diese Zusammenfassung, als auch der ganze Artikel wurde von Santuttho Bhikkhu ins Deutsche übersetzt und die deutsche Übersetzung wurde nun frei gegeben. Eine PDF der Übersetzung kann hier abgerufen werden und eine HTML Version des Artikels steht hier zur Verfügung.

Update Juni 2016

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Der Fall des Zen-Meisters Thich Thien Son

Ich weiß gar nicht wo ich bei dem Fall des sogenannten „Zen-Meisters“ Thich Thien Son, bürgerlich Mai Hue Giang Tran, anfangen soll. Vielleicht mit dem, wie alles begann …

Am 15. Juni 2009, ich war zu meinen Studien in Italien, erreichte mich eine Email Herbert Rusches, der zu dieser Zeit auch Ratsmitglied der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) war und das Online Forum der DBU betreute. Er schrieb, „Hallo Tenzin, seit heute morgen gibt es eine mehr oder weniger delikate Diskussion im DBU-Forum unter ‚Rechte Rede‘.“ und er fügte einen Diskussionsauszug mit einem Ausgangspost von Kampierapanyo vom selben Tag bei, der u.a. schrieb:

[…] Ich selbst habe 2 Jahre lang in der Pagode Phat Hue als Novize gelebt. Mein Novizenname war „Hue Phap“. Ich erhielt meine Pabajja am 30.12.2005 in der Pagode.

Ich lebte in der Pagode bis im Oktober 2007. Danach erhielt ich meine Upasampada (Vollordination) am 28.11.2007 im Tempel „Wat Thai Buddha Apa“ in Ludwigshafen (ein Thailändischer Theravada Tempel). Die letzten Monate verbrachte ich in Sri Lanka in der „Island Hermitage“ zur Praxis des Anapanasati und des Satipatthana.

So viel zu meiner Person.

Ich verließ die Pagode Phat Hue, da ich große Zweifel an dem „Meister“ Thich Thien Son hatte.  Ich war von Anfang an sein persönlicher „Attendant“, also persönlicher Helfer von daher habe ich den „wirklichen“ Thien Son kennengelernt.

Gründe meiner Zweifel an Thien Son gab es viele. Zum einen habe ich ihn kennengelernt als jemanden der im Luxus lebt. […]

Der eigentliche Grund für mein Verlassen der Pagode war der, dass Thien Son’s Lehrmethode oft sehr „fragwürdig“ ist. Eine der Hauptmethoden seiner Arbeit war, den Schülern zu erzählen, sie sollen in ihre Vergangenheit zurückgehen und in unterdrückte Gefühle etc. reinfühlen. In den Zen Seminaren ging es dadurch oft sehr wild zu.

Zen in der Pagode, bestand aus Schreien, Tanzen zu Trommelmusik, Erotik und vielem mehr. Ja auch erotisch ging es oft zu. Getarnt wurde es durch den Vorwand, dass einige Aufgaben dazu dienen sollen, sich selbst und andere anzunehmen. Es ging manchmal so, dass in den Zen Seminaren sich gegenseitig massiert wurde, auch an den „seltsamsten Stellen“ etc.

Der Hauptgrund für mein Verlassen war jedoch der, dass in meiner „privaten“ Arbeit mit Thien Son, welche immer in seinem Zimmer statt fand, er mich an sehr „intimen“ Stellen am Körper angefasst hat und mich auch dort geküsst hat etc.

Es gibt zu diesem Thema noch mehr zu schreiben, aber das reicht meiner Meinung nach erstmal.

Ich habe, als ich die Pagode verlassen habe, sozusagen versprochen nicht anzufangen darüber zu sprechen. Aber da hier jemand ist der sich große Gedanken macht über das, was in der Pagode vorgeht, muss ich jetzt mich auch dazu äußern.

Mögen alle Wesen glücklich sein
Kampierapanyo

Innerhalb des Threads, der sich recht schnell entfaltete, äußerte sich Kampierapanyo auch zum Umgang der Gemeinschaft mit den Geschehnissen:

Doch, es gab Austausch. Die ganze „junge“ Sangha weiß darüber Bescheid. Junge Sangha nannten wir immer die europäische Sangha. Als ich die Pagode verließ, traf ich mich nach einigen Tagen noch einmal mit allen Sanghamitgliedern und berichtete über alles. Der Rest der Sangha, stellte sich jedoch auf die Seite des Thien Son, meistens mit der Begründung, er wollte mir doch sicher nur helfen mit dem was er getan hat.

Die erste Person, mit der ich darüber sprach, war sogar Bhante Punnaratana, ein Mönch aus Sri Lanka welcher bereits ein Mahathera ist (Mönch über 20 Jahre) und auch er schweigt bis heute.

Die ganze Sangha weiß natürlich Bescheid, über das luxuriöse Leben des Thien Son, sie leben schließlich alle mit ihm unter einem Dach.

Er ist ein sehr „mächtiger“ Mensch. Sein Auftreten nach außen ist oft sehr „lieb“ etc. Ich hatte jedoch immer eine gewisse Angst vor ihm.

Herbert schrieb ich sofort zurück, dass das ernst genommen werden müsse und ich ordinierte Mönche und Nonnen informieren werde, denen ich vertraue. So informierte ich u.a. die Deutsche Buddhistische Ordensgemeinschaft (DBO). Es war eigentlich recht vielen klar, dass das nur die Spitze des Eisberges sein kann …

Der Fall wurde von vielen Seiten – auch der Deutschen Buddhistischen Union – angegangen und nach ca. einem Jahr lagen der DBO durch das sehr gute Kooperieren vieler sehr engagierter, offener und mutiger Menschen und vor allem einiger Betroffener insgesamt fünf eidesstattliche Versicherungen vor, die weitere sexuelle Übergriffe gegenüber Männern über 18 Jahre bestätigten.

Es wurde auch berichtet, dass Thich Thien Son, Abt und Leiter der Pagode Path Hue in Frankfurt, die sexuellen Übergriffe gegenüber den Mönchen rechtfertigte, indem er falsch behauptete, dass es sich hierbei um einen Teil des Mönchtrainings handeln würde und der Dalai Lama und Thích Nhất Hạnh dies angeblich selbst so handhaben würden. Die Skrupel- und Schamlosigkeit Thien Sons ließ sich für mich besonders daran erkennen, dass zwei Betroffene sexueller Übergriffe durch Thien Son schon als Kind sexuell missbraucht wurden und er ihnen eine „Therapie“ anbot, die dann zu erneuten sexuellen Übergriffen führte – diesmal im Rahmen einer „Therapie“.

Wie kann man Menschen nur derartig schaden und derartig ihr Vertrauen missbrauchen?

Die Krankheit der manipulierten Gemeinschaft offenbarte sich für mich an ihrer Reaktion: sie rechtfertigte die sexuellen Übergriffe als Hilfe innerhalb einer „Therapie“. Später erfuhr ich, dass es sexuelle Übergriffe schon vor 2009 gab und viele Mönche und Nonnen in einer Abwanderungswelle quasi über Nacht die Pagode Path Hue verließen. Der damalige Polizeipräsident von Frankfurt soll ein Schüler Thich Thien Sons  gewesen sein, berichteten mir ein Mönch der Gemeinschaft.

Nach dem Erhalt der 5 eidesstattlichen Versicherungen aussagebereiter Betroffener bzw. Zeugen sexueller Übergriffe gegenüber volljährigen Männern, gab die DBO Thien Son, der zu dieser Zeit der Vorsitzende der DBO war, eine abschließende Möglichkeit einer Stellungnahme und Klärung, in der er die Vorwürfe nicht verneinte. Im Februar 2011 veröffentlichte die DBO dann folgende Stellungnahme – die, ohne Name und Stadt zu benennen, in verkürzter Form auch von Buddhismus aktuell, der Zeitschrift der DBU abgedruckt wurde. (Der Vaters Thien Sons übte massiv Druck auf die DBU aus und versuchte zu verhindern,  dass diese Meldung in Buddhismus aktuell erscheint.):

Mitteilung Februar 2011

Der Abt der Pagode Phat Hue in Frankfurt, Thich Thien Son, ist im Dezember 2010 von der Deutschen Buddhistischen Ordensgemeinschaft e.V. als Mitglied ausgeschlossen worden. Es liegen der DBO fünf eidesstattliche Versicherungen vor, die beweisen, dass er sexuelle Beziehungen zu einigen seiner Schüler unterhielt.

Der Vorstand begründete die Entscheidung in seinem Brief an Thich Thien Son vom 24.12.2010 im Wesentlichen wie folgt:

„Diese Aussagen bezeugen ein Verhalten, das zum Reinen Lebenswandel eines buddhistischen Mönchs in völligem Widerspruch steht. Nicht nur das: es zeigt ein gravierendes Ausnutzen der Lehrer-Schüler-Bindung, „abuses of power“, wie es in einer der eidesstattlichen Erklärungen heißt.

An dem Wahrheitsgehalt der Briefe können wir nicht zweifeln, sie sind sogar eher zurückhaltend oder mit viel Verständnis und Mitgefühl verfasst worden, obwohl die Verfasser darunter gelitten haben müssen, als sie dies schrieben. Als Rache-Akt sind sie also keineswegs zu sehen. Hinzu kommt, dass sie unter Eid geschrieben wurden und die Verfasser sich der Tragweite ihrer Aussagen auch im strafrechtlichen Sinne bewusst sind.

Entlastende Gründe für dieses Fehlverhalten konnten wir nicht erkennen. Auch von dir selber haben wir keine Stellungnahme dazu erhalten, obwohl wir darum gebeten hatten.

Dass im Widerspruch zum tatsächlichen Verhalten die sexuelle Abstinenz – also der Reine Lebenswandel eines Mönchs – auf der Webseite der Pagode hervorgehoben wird, ist in besonderem Maße unaufrichtig, und stellt unserer Meinung insbesondere im Hinblick auf Männer, die die Ordination anstreben, eine grobe Täuschung dar.

Vor diesem Hintergrund müssen wir dich zu unserem Bedauern gemäß § 6 Nr. 3 der Satzung wegen eines grundlegenden und massiven Verstoßes gegen die Interessen des Vereins mit sofortiger Wirkung aus dem Verein ausschließen.

Darüber hinaus möchten wir dir nahelegen, dein Amt als Abt niederzulegen und nicht mehr in der Robe eines buddhistischen Mönchs zu erscheinen, sondern öffentlich in den Laienstand zu gehen, so wie es den Ordensvorschriften, die du auf deiner Webseite zitierst, entspricht.

Wir schreiben dies in der Hoffnung, alle Beteiligten, sowie zukünftige Schüler und Schülerinnen, vor noch größerem Leid und den Ursachen des Leids zu schützen.“

(Ende des Briefs)

Nachtrag: Nachdem Thich Thien Son den Ausschlussbrief bekommen hatte, erhielt die DBO eine kurze Stellungnahme von ihm, die aber keine entlastenden Gründe enthält.

Die Deutsche Buddhistische Union verweigerte nach eigenen Ermittlungen und auf Basis der 5 eidesstattlichen Versicherungen der Pagode Path Hue die anstrebte Mitgliedschaft in der DBU. In einem Antwortschreiben der Pagode als Deutsch-Vietnamesische Buddhistische Gemeinde e.V. vom 24.2.2012 wurden (indirekt) die sexuellen Übergriffe Thich Thien Sons als besonderes Mittel der Li Chi Linie gerechtfertigt: „Die Tradition unseres Abts ist die Lin Chi Tradition. Eine Tradition die, wie auch die Überlieferung zeigt, mitunter mit extremen Mitteln den Schülern ihren Geist zeigt. Als Schüler Buddhas haben wir viele harte Prüfungen zu bestehen. Jede Gruppe, aber auch jeder Einzelne von uns, bekommt seine Prüfung vom Leben, wo sich die Früchte seiner authentischen Praxis zeigen.“

Die DBO, Einzelpersonen und ich selbst informierten alle Kooperationspartner der Pagode Path Hue über den Ausschluss Thich Thien Sons aus der Deutschen Buddhistischen Ordensgemeinschaft und die Ablehnung der Aufnahme in die DBU. Diese offensive Informationspolitik wurde über einen langen Zeitraum aufrecht erhalten. Nur wenige Kooperationspartner der Pagode Path Hue sahen von einer weiteren Zusammenarbeit ab, die meisten Kooperationspartner setzten ihre Zusammenarbeit mit der Pagode fort. Immerhin wurde die Pagode Path Hue in den letzten zwei Jahren nicht mehr in die VESAK Feier der Buddhisten in Frankfurt einbezogen, bei der sie sonst eine sehr tragende und zentrale Rolle gespielt hatte.

Ich erhielt ca. 201o Hinweise, dass Thien Son auch in den sexuellen Missbrauch eines Minderjährigen verstrickt sein soll, der zum Zeitpunkt des Missbrauchs 12 Jahre alt gewesen sein soll. Die Person, die das offen legte war für mich glaubwürdig, es passte in die gesamte Hintergrundgeschichte und das Beweismittel war eindeutig und schlüssig. Durch die Hilfe einer Freundin in Frankfurt ersuchte ich Beratung bei Wildwasser Gießen e.V. und durch eigene Kontakte ersuchte ich Beratung bei einem Leiter eines Polizeireviers. Am 1. Februar 2011 stellte ich Anzeige, wegen mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs eines Minderjährigen. Das Problem bei der Anzeige war: die meisten Zeugen lebten außerhalb von Deutschland und der Betroffene des sexuellen Missbrauchs lebte noch in der Pagode Path Hue, abhängig von Thich Thien Son, dem mutmaßlichen Täter. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelte nicht sofort sondern erst auf Anfrage einer Journalistin begann sie mit ca. 8monatiger Verspätung zu ermitteln und teilte am 25.10.2011 abschließend mit: „[…] Aufgrund der vorliegenden Beweislage, insbesondere aber durch die Aussage des Geschädigten, ist eine Überführung des Beschuldigten nicht hinreichend möglich und eine Verurteilung entsprechend wenig wahrscheinlich. Nach alledem ist das Ermittlungsverfahren nach § 170 Abs. 2 StPO einzustellen.“

Die vietnamesische ordinierte Sangha (Congregation) leitete ein formales Vinaya Verfahren gegenüber Thich Thien Son ein, den sie aber trotz zugegebenen Parajika nicht des Ordens verstieß. (Ein Parajika führt gemäß der Lehre des Buddhas (Vinaya) zum Ordensausschluss.) Zudem wurde der Zeuge des Parajika, selbst ein vollordinierter Mönch und Betroffener sexueller Übergriffe von Thien Son, kurzfristig als Zeuge dieser Versammlung wieder ausgeladen. So hatten vergangene schwere Fehltritte keine wirklichen Konsequenzen und Thich Thien Son konnte seine Getriebenheit und Umtriebe weiter ausleben und fortsetzen. Besondere Sorgen machten kritischen Beobachtern der Junge Hua Bao – von der FAZ als „Wiedergeburt eines bedeutenden Mönches“ beschrieben – denn es war unklar, ob er nicht auch Opfer eines Übergriffs werden könnte. Das Jugendamt ermittelte, sah aber keinen Grund zum Einschreiten.

Das Jugendamt Frankfurt wurde am 29. Oktober 2013 noch einmal auf die möglichen Gefahren für den minderjährigen Hue Bao und den Ausschluss Thich Thien Sons aus der DBO und die Begründung dafür hingewiesen und antwortete am 21.11.2013 u.a. „Im Ergebnis dürfen wir Ihnen mitteilen, dass es keine Anhaltspunkte für sexuelle
Übergriffe von Herrn Thich Thien Son auf seinen Schutzbefohlenen Hue Bao gibt. Auch wenn das Kloster keine Jugendhilfeeinrichtung ist, und der Aufenthalt von Hue
Bao keine Jugendhilfemaßnahme darstellt, wird der Junge bereits seit mehreren
Jahren durch Mitarbeiter/-innen aus dem Bereich Kinder- und Jugendhilfe unseres
Amtes professionell begleitet.“

Um es knapp zu machen, die ganze Sache bekam Momentum, als Hue Bao Ende 2013 von Thich Thien Son wegen einem Facebook Eintrag kritisiert wurde und Hue Bao sich ethische Moralpredigten verbat, da Thich Thien Son ja jede Nacht einen jungen vietnamesichen Lover empfangen würde und er deren Geräusche beim sexuellen Verkehr ertragen müsse. Dieser Fakt wurde einigen Mönchen, die in „Buddhas Weg“ im Odenwald lebten, bekannt und diese hatten nun die Nase voll und stellten Thich Thien Son am 15. und 16. Novemher 2013 in zwei Krisensitzungen zur Rede. Nach Versuchen der Beschönigung, des Abstreitens und heftiger manipulativer Maßnahmen – zu der die Erniedrigung und Denunziation Hue Baos gehörte, der auf den Boden vor Thien Son niederknien musste um zu „bekennen“, dass er „gelogen“ habe und später als Schwindler und Racheübender von Thien Son denunziert wurde – gab Thien Son nach Vorlage von Beweisen zu, dass die Anschuldigungen zu den nächtlichen Lover-Besuchen stimmen. Er gestand auch den sexuellen Missbrauch des damals 12/13jährigen Jungen ein, den ich bereits 2011 angezeigt hatte.

Ein Teil der Gemeinschaft von „Buddhas Weg“ (ein Zweigzentrum der Pagode Path Hue) holte dann den Rat verschiedener ordinierter Lehrer ein, die alle betonten, dass Thich Thien Son entroben müsse, das heißt auch nach außen sichtbar in den Laienstand treten muss.

Auch Thích Nhất Hạnh wurde von Mönchen der Gemeinschaft „Buddhas Weg“ in einem Brief um Hilfe ersucht, der Brief beginnt mit folgender Darstellung:

We are writing this letter to you today in the midst of a very difficult time.

Our Abbot and Zen Master, Thich Thien Son, has been having sexual relations with multiple partners for many years, and our Sangha is beginning to take action.

In the beginning, young monks from our own Sangha were coerst into having sexual relationships with our Master for „their benefit“. Sometimes he cited an attempt at therapy as his motivation, other times he just ordered sexual act to be performed. This included sexual acts with a 12 year old novice monk. The mental and emotional suffering endured in this time was great, and still continues to haunt many of those involved. Most of our monks left and disrobed because of an inability to deal with the emotional and psychological pressure of the events.

Most of our monks who served as his attendant were instructed to have sexual relationships with him and were also witness to his relationships with other men. His lifestyle in general also involved late nights out, an abandonment of attendance to morning ceremonies, and slowly a building of a community system filled with manipulation, emotional pressure, and threats to keep his secrets from being revealed. The well being of the Sangha and community fell into the background as protection of his way of life became the chief focus. Clarity was replaced with confusion, openness with defensiveness, and supportiveness with manipulation.

Currently, our Master is in a more long-standing sexual relationship with a young Vietnamese boy. […]

Teile der Gemeinschaft fuhren dann zusammen mit Thich Thien Son zu Thích Nhất Hạnh nach Plum Village. Thích Nhất Hạnh riet Thien Son u.a., die Robe abzulegen und keine Kurse mehr zu geben.

Am 5.02.2014 schrieb Thien Son dann an seine Schüler u.a.:

Liebe Zenschülerinnen und Zenschüler,
sicher hat Euch alle inzwischen die Nachricht erreicht, dass ich einen neuen spirituellen Weg einschlagen möchte und Ende Januar mein Amt als Abt der Pagode Phat Hue und dem Kloster Buddhas Weg meinem Stellvertreter Thay Tu Tri übertragen werde und meine Robe als Mönch zurückgebe. Die Spirituelle Leitung beider Häuser werden in Zukunft durch Thay Tu Tri, Bhante Punnaratana und der Ehrw. Nonne Young Gong vertreten.

Seit einiger Zeit lebe ich ein Leben, das im Widerspruch steht zum Mönchsein und den Gelübden die ich angenommen habe. Viele Menschen habe ich dadurch, absichtlich oder unabsichtlich, verletzt und das bereue ich zutiefst.

Ich möchte innere und äußere Wahrheit in Einklang bringen, doch der Weg dahin ist für mich ein langer Prozess. Der Mönch in mir, hat mich seit 40 Jahren begleitet. Er ist mein Leben. Ihn loszulassen ist genauso schwierig, wie ihn zu halten.

Auf der offiziellen Website der Pagode erschien dann folgende Meldung:

Thay Thien Son – Rücktritt als Abt

In seiner Neujahrsrede zum vietnamesischen Neujahr in der Pagode Phat Hue, gab Thay Thien Son seinen Rücktritt als Abt der Pagode Phat Hue und des Klosters Buddhas Weg bekannt und übertrug offiziell sein Amt auf seinen Nachfolger Thay Tu Tri.

Thay Tu Tri wird von jetzt ab alle Verpflichtungen und die Spirituelle Leitung der beiden Häuser Phat Hue und Buddhas Weg übernehmen und sie in Begleitung mit Bhante Punnaratana und der Ehrw. Nonne Young Gong im Sinne des Dharmas weiter führen.

Der Amtsrücktritt ermöglicht Thay Thien Son sich nach über 12 Jahren Aufbauarbeit der Pagode Phat Hue und des Klosters Buddhas Weg zurück zu ziehen und seinen spirituellen Weg für sich zu prüfen. Außerdem kündigt er seine Entrobung an. Die Entrobung ist notwendig für ihn, um nach 40 Jahren als Mönch, sich ehrlich selber zu begegnen und mit sich selbst auseinander zu setzen. […]

Am 19.01.2014 war ich auf Bitte eines Betroffenen sexuellen Missbrauchs, den er als Minderjähriger erfahren musste, als Vertreter der DBO in „Buddhas Weg“ und sprach mit dieser Person und einem weiteren Mönch. Anschließend gab es ein Treffen mit einem Teil der Gemeinschaft (incl. mir 14 Personen, darunter 3 Laien, 3 Mönche und der Rest Nonnen), an dem auch der extra angereiste neue Abt, Thay Tu Tri, teilnahm. Noch während des Treffens und der Gespräche wurde mir klar, dass Thich Thien Son bei seinen Suchtstrukturen und einer mutmaßlich dringend behandlungsdürftigen Persönlichkeitsstörung und der Struktur und Denkweise der verbliebenen Gemeinschaft innerhalb kürzester Zeit wieder alte Fahrwasser einschlagen wird und die versprochene Reue und Einkehr leere Worte sind. Deshalb stellte ich am 10. Februar 2014 erneut Anzeige, wegen mutmaßlich mehrfachen sexuellen Missbrauches eines Minderjährigen. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat auf der Basis neu beigefügter Beweise (wie einer neuen eidesstattlichen Versicherung) recht schnell reagiert und die Kriminalpolizei ermittelt derzeit. Mit einer Haftstrafe für Thien Son ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zu rechnen.

Thien Son ist am 28. Februar 2014 nach Sri Lanka gereist – geplant war ein Besuch bis zum 8. März 2014. Ab dem Zeitpunkt war er auch nach eigenem Bekunden kein Mönch mehr (dies ist er gemäß Vinaya schon sehr lange nicht mehr). Seine salbungsvollen Statements in Deutschland halten Thien Son – bzw. den Laien Mai Hue Giang Tran – jedoch nicht davon ab, Aussagen zur Entrobung und Einkehr wieder aufzugeben und sich in Sri Lanka als buddhistischer Mönch zu präsentieren und an der Seite von Bhante Punnaratana¹ feiern zu lassen:

Screenshot eines aus Sri Lanka hochgeladenen YouTube Videos. Mai Hue Giang Tran (aka Thien Son) in dunkler Robe der vietnamesischen Vinaya Tradition neben Bhante Punnaratana.

Screenshot eines aus Sri Lanka hochgeladenen YouTube Videos. Mai Hue Giang Tran (aka Thien Son) in dunkler Robe der vietnamesischen Vinaya Tradition neben Bhante Punnaratana.

Hier ist das ganze Video zu bestaunen und es macht mich traurig zu sehen, wie sich eine Mönchsgemeinschaft von Mai Hue Giang Tran alias Thien Son narren lässt und Bhante Punnaratana einfach schweigt¹ und mitspielt und das Vertrauen der hingebungsvollen Laien missbraucht wird.

Auf diesem Bild, das aus der Facebook-Seite eines Mönches aus Sri Lanka stammt, präsentierte sich Thien Son letzte Woche als Mönch und Meister in der gelben Zeremonienrobe …

Der Gemeinschaft der Pagode Path Hue wurde der sexuelle Missbrauch an dem damals minderjährigen Betroffenen, den ich nun zwei mal anzeigte, im Juli 2010 bekannt. Thich Thien Son beauftragte darauf hin ein Therapeuten-Paar, Hans Peter Thomann und Ulrike Thomann Gruppentherapie und Einzeltherapien durchzuführen. Bezahlt wurden die Therapeuten für diese Therapien von der Pagode Path Hue. Der Betroffene des sexuellen Missbrauchs bezeichnet diese „Therapien“ als „Manipulation“, „die Probleme wurden nie angegangen“. Sein Vertrauen in Therapeuten ist seit dem nachhaltig erschüttert.

Foto 1

Bild vom Besuch von Mai Hue Giang Tran (aka Thien Son) in Sri Lanka. Er ist in der Mitte in der Robe eines Mönches der vietnamesischen Vinaya Tradition. Rechts von ihm ist Ulrika Thomann, eine Psychologin, die mit ihm die sogenannten „Zenkurse“ macht und eine seiner engsten Schülerinnen ist.

Foto 2

Bild vom Besuch von Mai Hue Giang Tran (aka Thien Son) in Sri Lanka. Er ist in der Mitte in der Robe eines Mönches der vietnamesischen Vinaya Tradition. Rechts von ihm ist Ulrika Thomann, eine Psychologin, die mit ihm die sogenannten „Zenkurse“ macht und eine seiner engsten Schülerinnen ist.

Zen erfahrene Praktizierende als auch Schüler von Thich Thien Son wiesen mich in Gesprächen wiederholt darauf hin, dass das was Thich Thien Son als Zen-Seminare anbietet, kein Zen sei sondern selbstgebastelter Psycho-Bla-Bla. Fragen woher er denn den Zen-Meister Titel erhielt, hat Thien Son häufig erhalten, konnte sie aber nie beantworten.

Thich Thien Son wird ohne Gegenwind aus der Öffentlichkeit sein manipulatives und missbräuchliches System fortsetzen und ausbauen. Derzeit soll Thien Son verbreiteten, dass „Kritik“ an ihm Diskrimnierung Homosexueller sein würde – Menschen also an ihm eine Art Schwulen-Bashing exerzieren würden.

Im Sinne des offenen Briefes buddhistischer Lehrer, der nach einem Treffen mit dem 14. Dalai Lama 1993 in Dharamsala verfasst wurde und auch auf Bitten Betroffener, sehe ich keine Möglichkeit mehr, als Thich Thien Sons Handeln durch das Herstellen von Öffentlichkeit Einhalt zu gebieten:

Besondere Besorgnis wurde über unethisches Verhalten unter Lehrern geäußert. In vergangenen Jahren waren sowohl asiatische wie westliche Lehrer in Skandale wegen sexuellen Fehlverhaltens gegenüber ihren Studenten, Alkohol- und Drogenmissbrauch, Veruntreuung gesammelter Gelder und Machtmissbrauch verwickelt.

Dies hat zu weitverbreiteten Schäden geführt, von denen sowohl die buddhistische Gemeinschaft als auch Einzelne betroffen waren. Jeder Student muss ermutigt werden, verantwortliche Maßnahmen zu ergreifen, um Lehrer mit unethischen Aspekten ihres Verhaltens zu konfrontieren. Zeigt der Lehrer kein Zeichen der Änderung, sollten Studenten nicht zögern, jegliches unethische Verhalten, für das es unwiderlegliche Beweise gibt, öffentlich zu machen. Dies sollte geschehen ohne Rücksicht auf wohltätige Aspekte seiner oder ihrer Arbeit wie auch auf die eigene spirituelle Verpflichtung diesem Lehrer gegenüber.

Es sollte auch in jeder Veröffentlichung klargestellt werden, das solch ein Verhalten nicht im Einklang mit der buddhistischen Lehre ist. Ganz gleich, welchen Grad spiritueller Entwicklung ein Lehrer erlangt hat oder beansprucht erlangt zu haben; keine Person kann über der Norm ethischen Verhaltens stehen. Um den Buddhadharma nicht in Verruf zu bringen und um Schaden von Studenten und Lehrern abzuwenden ist es notwendig, dass alle Lehrer zumindest nach den fünf Laiengelübden leben. In Fällen, wo ethische Standards verletzt wurden, sollte dem Studenten wie auch dem Lehrer mit Mitgefühl und Fürsorge begegnet werden.

Die Offenlegung ist hoffentlich auch ein klares Signal, dass Missbrauch, Verschweigen und Mittragen von Missständen in Deutschland unter Buddhisten keine Zukunft haben sondern, wenn alle Maßnahmen scheitern, Öffentlichkeit hergestellt werden wird.

¹ Update 9. April 2014: Punnaratana Ratmale stellte später gegenüber seinen Schülern klar, dass Thien Son in Sri Lanka mit vielen hochrangigen Mönchen befreundet sei und diese sich gewünscht hätten, dass Thien Son an den geplanten Feierlichkeiten und der Reise als Mönch teilnehmen möge. Man habe ihm vorgeschlagen, ihm dafür eine temporäre Ordination innerhalb der Theravada Tradition zu geben. Die Ordination habe in Uposathaghara in Ganekanda Purana Vihara in Wataddara, Veyangode stattgefunden. Bei der Ordinationszeremonie wären mehrere Hochehrwürdige Äbte und Mönche  und weitere 20 vollordinierte Mönche anwesend gewesen.

Es ist unklar ob Thien Son zu einem vollordinierten Mönch oder Novizen ordiniert wurde. In jedem Fall hat Thien Son mehrere Parajikas begangen und diese erzwingen gemäß Vinaya den Ordensausschluss. Es ist zwar möglich nach einem Parajika innerhalb der Theavada Tradition als Novize ordiniert zu werden, aber das passiert nur in ganz seltenen, begründeten Ausnahmefällen.

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Neue Kadampa Tradition in Schloss Sommerswalde & Anschuldigungen gegen Zen Lehrer Joshu Sasaki

Kurz als Update zur Info* – leider alles in Englisch:

*So lange es keinen Ethik Rat in der DBU gibt und deren Diskussionsforum offline ist, bleibt mir erst mal nichts anderes übrig, als nun doch den Blog zu nutzen, die ein oder andere Gruppe/Lehrer zu benennen, wenn verlässliche Informationen vorliegen.

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Zu Dr. Klaus Zernickows Darstellungen Zen-Meister und Dharma-Nachfolger von Seki Yūhō Rōshi zu sein

Dieser Blog hat ein paar Turbulenzen in Bezug auf Dr. Zernickow und Mumon Kai erlebt. Im Zuge der Recherchen wurde der Frage nachgegangen, in wie weit die Behauptungen von Dr. Zernickow und Mumon Kai, er sei ein ordinierter Zen-Meister und ein Dharma-Nachfolger von Seki Yūhō Rōshi zutreffen oder nicht zu treffen. Beweise, dass Dr. Zernickow Dharma Nachfolger ist, wie Urkunden oder Bestätigungen, gibt es bisher nicht. Nachfolgend findet der Leser aufgelistet, was bisher eruiert werden konnte. Damit möge er sich bitte selbst ein Bild machen.

In Bezug auf seine Lehrqualifikation behauptet Dr. Zernickow bzw. Mumon Kai:

„Erst Schüler und später Dharma-Nachfolger von Seki Yūhō Rōshi – oder mit altjapanischem Namen Yūhō Sōshun Seki Zenji (1900-1982) – ist Sōtetsū Yūzen der jetzige Meister von Mumon-Kai.“ und „1980 erhielt Dr. Zernickow Tokudo, die Ordination zum Rinzai-Zen-Mönch. Vom Myōshin-Ji / Japan wurde er als Shika be­stätigt.“1

Intern, so behauptet ein Ex-Mitglied von Mumon Kai, erzähle Dr. Zernickow die Geschichte, dass Seki Yūhō Rōshi in einem Notizbuch vermerkt habe, dass Dr. Zernickow („Sōtetsu Yūzen Rōshi“) die Große Schranke durchbrochen habe. Mit diesem Notizbuch wären die Frau und der Sohn Seki Yūhō Rōshis nach dem Tod von Seki Yūhō Rōshi nach Berlin gekommen, um ihm dieses zu übergeben. Daraus leite Dr. Zernickow (Sōtetsu) seine Anerkennung als Zenmeister und Nachfolger Seki Yūhō Rōshi ab. So habe es Dr. Zernickow (Sōtetsu) in  mehreren Teishos selbst vorgetragen. Außerdem habe er immer gesagt, dass Mumon Kai nicht von Japan abhängig sei. Seine Mönchsordination habe er in Amerika gegen eine großzügige Spende erhalten. Er wäre dort hin gefahren und es wurde dort eine Zeremonie abgehalten, die er bezahlt habe. Danach wäre er wieder abgefahren.

Daikan J. Westerbarkey gab auf Anfrage per Email2 folgende Auskunft zur Behauptung, dass Dr. Zernickow Dharma-Nachfolger von Seki Yūhō Rōshi sei :

Nach Information von Hotei Yasusada Seki, dem Sohn des verstorbenen Yuho Seki Zenji Dai Osho, waren die Dharma-Nachfolger seines Vaters Daichi-ji Bunryo Yamada Roshi und Taizou-ji Sozen Tanaka. Beide haben sich in der Funktion des Socho-san (= Abt für die Verwaltung des Eigen-ji) für jeweils 4 Jahre diese Aufgaben geteilt; Sozen Tanaka Zenji Dai Osho ist inzwischen verstorben.

Da beide die Aufgabe des Kancho-san (= Roshi für den Bereich des Sodo = Konvent = Erziehung der Mönche und Vertreter der buddhistischen Schule des Eigen-ji) nicht angenommen haben wurde dafür der Mönch Daiyu Shin O Hara Roshi (Mönch des Kennin-ji) gewählt. Er ist vergangenen Oktober gestorben und hat als einzigen Dharma-Nachfolger Fukujo-ji Sokan Domae bestimmt, der dann im Juni nach seiner Wahl auch die Aufgabe des Kancho-san für das Kloster Eigen-ji übernommen hat – seine Amtseinführung ist nach dem 3. Todestag des verstorbenen Daiyu Shin O Hara Zenji Dai Osho, also im Herbst 2013.

Genpo Döring, ehemaliges Ratsmitglied der Deutschen Buddhistischen Union, sprach im im August und Sept. mit maßgeblichen Verantwortlichen der Hauptverwaltung des Myoshinji. Als Ergebnis dieser Gespräche erklärte er per Email2:

Von Seiten des Myoshinji habe ich (zum wiederholten Male) die Auskunft bekommen, dass Dr. Zernickow dort nicht registriert ist und Mumonkai nicht zur Myoshinji-Tradition gehört. Auch zu seiner Ausbildung und Ordination gibt es im Myoshinji keine Unterlagen.

In einer weiteren Email ergänzte Genpo Döring:

In unserer Tradition ist es üblich, praktisch für „alles“ Urkunden auszustellen und dazu öffentliche Zeremonien durchzuführen. Ob es nun Ordinationen, Anerkennungen, Einsetzung in Ämter, Beförderungen, Klosterausbildung-, und Aufenthalt, etc., immer gibt es dazu schriftliche Unterlagen.

Es existieren deshalb in jedem Tempel, insbesondere in der Hauptverwaltung, Archive, welche „Jahrhunderte“ zurück reichen und wichtige Ereignisse dokumentieren. Dr. Zernickow könnte also, falls er seine Urkunden verlegt hat, jederzeit Kopien anfordern oder sich vom Hauptquartier bestätigen lassen.

Dass Dr. Zernikow, da er mir immer schon sehr versessen erschien, möglichst mit „Titeln, Kitteln und Anerkennung“ zu glänzen, und nie müde wurde, auf all seine angeblichen Bestätigungen schriftlich und mündlich hinzuweisen, keine Unterlagen vorweist oder öffentlich macht, bestärkt nur meine Überzeugung, dass es bereits bei seiner Ordination und Dharma-Nachfolge nicht mit rechten Dingen zugehen kann. In den letzten Jahren hatte ich mich, auf Grund verschiedener Anfragen, immer wieder in Japan erkundigt wie es um Dr. Zernickow stehe. Immer wieder bekam ich die Auskunft, dass er kein Mitglied des Myoshinji sei und deshalb auch nicht eingetragen, nicht anerkannt, nicht bestätigt sei. Diesmal war es auch nicht anders und ich werde deshalb nicht mehr weiter nachfragen, da ich mich auf diese Auskunft verlasse.

1 Bezogen von http://www.mumon-kai.de/de/zen-meister, 18. Mai 2012
2 mit freundlicher Erlaubnis hier zitiert

Nachtrag 10. September 2012

Es ist sicher für Neu-Interessierte des Zen-Weges wichtig, über diese offiziellen Regeln der Zen-Klöster Informationen zu besitzen. Leider sprechen die in den Westen kommenden Roshis so gut wie gar nicht über diese Dinge. Erst durch jahrelange Besuche in traditionellen Zen-Klöstern wird dies allmählich klarer.

Wer an einer Kopie einer solchen Urkunde über eine offizielle Registrierung als Mönch oder Priester interessiert ist, kann mit den Blog Betreiber Kontakt aufnehmen.

Seit einigen Jahren weist Daikan J. Westerbarkey westliche Zen-Übende darauf hin, dass sie bei Begegnung mit einem neuen Zen-Lehrer (Zen-Lehrerin) diese/n nach der Dharma-Linie seines Lehrers und ihn/sie nach seiner offiziellen Registrierung durch ein Zen-Klosters fragen sollen. Dieses Vorgehen verhindert, dass man einem „selbsternannten“ Lehrer blindes Vertrauen schenkt und sich und anderen damit schadet.

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„Mipham Rinpoche“, „Domo Geshe Rinpoche“ & eine Klarstellung von Mike Andres

Ein „Rinpoche“ als Geld- und Seelenfänger

Wo wir schon dabei sind, hier zusätzlich eine Information einer ehemaligen Übersetzerin des Kamalashila Instituts zu einem „Mipham Rinpoche“:

„Mipham Rinpoche“

Der Name dieses Lamas ist „Mipham Rinpoche“ aus Kham. Er wohnt zur Zeit in Kalimpong/Indien, hat aber auch eine Residenz in Nepal/Boudhanath und hat vor in Deutschland und Europa eine Tour zu machen um Spenden für seine Guru Rinpoche Projekte zu sammeln.

Er ist der behenden Sprache sehr mächtig und überzeugt durch sein Auftreten und seine äußerst freundliche Art. Er verspricht den Menschen seine Unterstützung falls sie nach Indien kommen und lädt sie als seine Gäste in sein buddhistisches Zentrum ein.

Er wirbt für seine verschiedenen Projekte als da wären:

  • die Errichtung von 108 Guru Rinpoche Statuen weltweit, den Aufbau von Schulen und
  • buddhistischen Bibliotheken, gemeinnützige medizinischen Einrichtungen etc.

Er sammelt Spenden und gibt dann Spendenurkunden aus.
Da er einen gemeinnützigen Verein gegründet hat sind alle Spenden von der Steuer absetzbar. Er betont das alles von ihm allein gemanagt wird und das er deswegen finanzielle Unterstützung und Hilfe braucht.

Hat er einmal das Vertrauen der Menschen gewonnen, bittet er um Geldleihen, die selbstverständlich mit einem Schuldschein besiegelt werden. Danach ist von ihm nichts mehr zu hören und zu sehen. Er antwortet auf  keine emails, sms oder Telefonate und entschuldigt sich vielmals für die verspätete Rückzahlung, die er aber alsbald ausführen will. In dieser Art bekommen die Gläubiger ihr Geld erst nach langer Zeit, wenn überhaupt wieder.

Hier in Indien und Nepal hat er auf diese Art viele Opfer geschaffen, die ihrem Geld hinterherlaufen und jedes Mal auf seine erneuten Lügen und Ausreden hereinfallen.

In Gangtok, im Kloster von Dodrub Rinpoche, wird er
schon gesucht wegen seiner Unarten und Betrügereien.

Westliche „Domo Geshe Rinpoche“

Eine andere Seelenfängering ist die Nonne (?) „Domo Geshe Rinpoche“, bürgerlich Marjorie Mrs. Quinn-Dadak, geboren 1946. Sie hat ihr Zentrum in den USA, behauptet der Geluk Tradition anzugehören und war auch in Deutschland aktiv. Ihre Webseite ist www.white-conch.org. Sie behauptete, Domo Geshes Geist sei „in sie gefahren“. — Sie scheint ähnlich verwirrt zu sein, wie die Nonne „Lama“ Dechen Losang Chöma, bürgerlich Carola Däumichen, in Päwesin/Brandenburg. — Nach den Informationen, die mir vorliegen, bindet Mrs. Quinn-Dadak Leute geschickt an sich durch „geheime Tara Mantra Einweihungen“. Vor allem gelingt es ihr Menschen an sich zu binden, die keine Kenntnisse über den Tibetischen Buddhismus haben. Sie soll sehr überzeugend sein.

Eine Anfrage beim Lama Yeshe Wisdom Archiv in der USA ergab:

Thank you for your email.  We are skeptical about this. If nothing else, The Domo Geshe Rinpoche from Tibet was a lama who died relatively recently, so these people could not be his incarnation as they are too old.  As for her apparent claim of receiving the transference of his mind, that is highly suspect … a very rare occurrence indeed! We do not know about any recognition of this person from those who are the leaders of the Gelukpa tradition.

[…]

Office Manager, LYWA

Der Tulku des verstorbenen Domo Geshe Rinpoches wurde im Frühsommer 2006 in Sikhim von einem Such-Komitee, das Trijang Chocktrul Rinpoche koordinierte, gefunden und als Reinkarnation des Domo Geshe Rinpoche anerkannt. Siehe: www.domogesherinpoche.org. (Hier gibt es eine enge Verbindung zum umstrittenen Wesen Dorje Shugden.)

Nachdem in den Tibethäusern in Deutschland (Frankfurt, München, Schweiz, Berlin), der deutschen Buddhistischen Union (http://www.dharma.de), dem Tibethaus New York (www.tibethouse.us), dem Arya TARA Institut (www.aryatara.de) und der Tibet AG nachgefragt wurde, konnte aus deren Antworten folgende Information destilliert werden:

  • die „Nonne“ Domo Geshe Rinpoche ist entweder nicht bekannt oder sehr umstritten
  • buddhistische Organisationen weisen darauf hin, dass ein Junge bereits als  Inkarnation anerkannt wurde; sie warnen vor ihr und bitten darum sich genau zu informieren
  • es wird auch darauf hingewiesen, das im Kloster der anerkannten Reinkarnation von  Domo Geshe Rinpoche die Shugden Praxis praktiziert wird
  • Mrs. Quinn-Dadak wurde 1946 geboren. Domo Geshe Rinpoche Ngawang Gyalten lebte von 1937-2001. Der erste Domo Geshe lebte von 1866-1936.
  • die Behauptungen von Mrs. Quinn-Dadak werden bis heute von keiner buddhistischen Tradition bestätigt

Der Geshe Titel – ein Gelehrten-Titel ähnlich einem Dr. Titel, der nach rigorosem ca. 15–22 jährigem Studium vergeben wird – kann nicht von einer Vorgänger-Inkarnation geerbt werden sondern muss im jeweiligen Leben durch hartes Studium neu erworben werden. Allein mit der Verwendung dieses Gelehrten Titels „Geshe“ betrügt Mrs. Quinn-Dadak die Menschen. Die einzige weibliche Geshe, die es weltweit gibt, ist Geshe Kelsang Wangmo (Kerstin Brummenbaum).

Eine Klarstellung von Mike Andres
1. Mai 2012

Mike Andres versichert, dass er entgegen anderes lautender Darstellungen im Internet

1) kein buddhistischer Mönch sowie
2) kein Lama einer buddhistischen Linie ist.

Mike Andres bittet darum, „alle Darstellungen diesbezüglich im Internet … als völlig irrelevant zu betrachten.“

Der Blogbetreiber wünscht Mike Andres und seinen Freunden alles Gute und bedankt sich für die Klarstellung.

 

  Zuletzt geändert von admin am 6. September 2013 um 00:30

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‘Zen hat keine Moral’ – Die Fälle von Eido T. Shimano (USA) und Dr. Klaus Zernickow (Berlin)

Christopher Hamacher (München) präsentierte am 7. Juli 2012 auf der jährlichen Konferenz der International Cultic Studies Association’s (ICSA) in Montreal (Canada) einen akademischen Artikel, der die Fälle von Eido T. Shimano (USA) und  Dr. Klaus Zernickow (Sotetsu Yuzen) in Berlin behandelt.

Der Artikel von Christopher Hamacher heißt „Zen hat keine Moral!“ und besteht aus 44 Seiten. Er wurde auf The Zen Site hochgeladen und steht als PDF zum download zur Verfügung:

Eine vertiefender und zu empfehlender Beitrag findet sich hier:

Christopher Hamacher graduierte in Jura an der Université de Montréal im Jahre 1994. Er praktiziert Zen Buddhismus in Japan, Amerika und Europa seit 1999 und betreibt eine eigene Zen Meditations Gruppe seit 2006. Er arbeitet zur Zeit als rechtlich zugelassener Übersetzer in München.

Siehe auch:

Update 07.09.2012

Update 09.03.2013

  • Zen hat keine Moral!“ (deutsche Übersetzung) – Die latente Anfälligkeit des Zen-Buddhismus für Korruption und Missbrauch, veranschaulicht an zwei jüngst bekannt gewordenen Fällen
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Missbrauch: Kein Thema in buddhistischen Gemeinschaften?

Das fragte sich die Redaktion von „Tibet und Buddhismus“ in ihrem aktuellen Heft 102 – 3/2012

Eine moderierte Diskussion zum Thema ist im Forum des Tibetischen Zentrums der Gelug Tradition in Hamburg möglich, allerdings nur mit Anmeldung:

Auf diesem Blog ist eine moderierte Diskussion ohne Anmeldung und anonym möglich.

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