Triratna / Sangharakshita / FWBO: Vorwürfe von sexuellem Missbrauch, seelischer Manipulation und Mobbing

Im Oktober 1997 veröffentlichte die britische Tageszeitung The Guardian einen Bericht, in dem von ehemaligen Mitgliedern der Freunde des westlich buddhistischen Ordens (FWBO) – später umbenannt zu Triratna Buddhistische Gemeinschaft (Triranta Buddhist Order, TBO) – schwerwiegende Vorwürfe erhoben wurden: Dem Orden bzw. der Gemeinschaft, und insbesondere Sangharakshita selbst, wurden sexueller Missbrauch, seelische Manipulation und Mobbing vorgeworfen. So berichtet Mark Dunlop, dass er unter dem Deckmantel spiritueller Entwicklung von Sangarakshita (Dennis Lingwood) – dem Gründer der FWBO/TBO – überzeugt wurde, Sex mit ihm zu haben, damit Mark seine „anti-homosexuellen Gewohnheiten“ überwinden könne, die seine „Energien für ein spirituelles Leben“ blockieren würden. Ein anderer junger Mann, Matthew, der sich durch die Gemeinschaft stark manipuliert fühlte gegen seinen Willen homosexuelle Beziehungen einzugehen, nahm sich das Leben. Auch wurden von Sangharakhshita und dem Orden verbreitete Lehren zur Überlegenheit des Mannes gegenüber der Frau – deren hormoneller Rhythmus und Verlangen für Kinder sie spirituell minderwertig mache – sowie Lehren zur Überlegenheit homosexueller Beziehungen gegenüber heterosexuellen Beziehungen – die „wechselseitig abhängig machend und neurotisch“ seien – kritisch hinterfragt. Der Orden äußerte sich zu den Anschuldigungen in einer ausführlichen Stellungnahme. Darin räumte er „komplexe und zutiefst bedauerliche“ Vorkommnisse ein, verwahrte sich aber gegen eine „Vereinfachung“ und „Sensationalisierung“ der Geschehnisse.

Dennis Lingwood (Sangharakshita)

Auch zu anonymen, im Internet kursierenden Dokumenten – zusammengefasst unter dem Begriff The FWBO Files –, die diese und weitere Vorwürfe detaillierter ausführen, nahm der Orden ausführlich Stellung und wies die darin enthaltenen Anschuldigungen als Teile „einer konzertierten und anonymen Kampagne“ zurück. The FWBO Files wiederum gingen auf diese Gegenvorwürfe ein und bezeichneten sie als „Ausweichtaktiken“ und „Vernebelungen“.

Es gibt einige öffentlich zugängliche Erfahrungsberichte von Betroffenen, in denen entweder direkt behauptet wird oder die nahelegen, dass es in Triratna eine Gruppen-Kultur gibt, die so verdreht und indoktrinierend ist, dass sie eine Basis für systematischen sexuellen Missbrauch bildet. (Siehe z.B. die Berichte von Mark, Prasannasiddhi, Glen, Yashomitra, Ananda oder Björn.)

Am 26.09.2017 strahlte die BBC (»Inside Out East«) folgende 10-minütige Dokumentation aus:

Zeitgleich mit dieser Dokumentation berichtete die BBC über einige dieser sowie über neuere Vorwürfe:

Ende Dezember 2016 veröffentlichte Sangharakshita eine persönliche Erklärung auf seiner Website, in der er sein „tiefes Bedauern über all die Gelegenheiten, bei denen ich buddhistische Gefährten verletzt, ihnen Leid zugefügt oder sie bestürzt habe“, ausdrückte und um Verzeihung bat, ohne allerdings auf die Vorwürfe selbst einzugehen. Buddhismus Aktuell gab dazu eine Meldung heraus:

Mitte Januar 2017 nahm das Triratna Präzeptorenkolleg in einem offenen Brief zu diesen Anschuldigungen und Sangharakshitas Erklärung Stellung. Darin wurde eingeräumt, dass es in der Geschichte des Ordens und der Biographie Sangharakshitas einige „komplexere und problematischere Aspekte“ gäbe, deren Aufarbeitung für den Orden nicht einfach sei. Die Präzeptoren äußerten sich „sehr betroffen über den offensichtlichen Schmerz und das Leid, das wir aus einigen Berichten erfahren haben“ und versprachen eine eingehende Auseinandersetzung mit der Kontroverse. Zugleich verwies die Organisation auf eine Reihe moralischer Richtlinien, die 2013 entwickelt worden seien und u.a. ausdrücklich von sexuellen Beziehungen zwischen Präzeptoren (Lehrer und Gelübdegebende innerhalb Triratnas) und ordinierten Mitgliedern abrieten. Allerdings hostete die Triratna Buddhistische Gemeinschaft auf ihrer Ausbildungs-Webseite „Clear Vision“ (frei zugänglich für Kinder und Jugendliche) noch bis zum BBC Bericht im September 2016 ein Video mit Sangharakshita, das seine diesbezüglichen Ansichten verbreitete, die beinhalten, dass es ok sei, Sex mit Schülern zu haben, dass er nicht viel davon hält „Grenzen“ einzuhalten und dass seine sexuellen Aktivitäten mit vertrauensvollen jungen männlichen Schülern „Experimente“ gewesen seien. Zudem beschrieb er das, was Betroffene als Missbrauch und Manipulation bezeichneten, als „die reichsten und kreativsten Erfahrungen in meinem ganzen Leben“. (Siehe  BBC’s »Inside Out East«)

Der Observer berichtete im Feburar 2017 über aufkommende Ängste, wie weit verbreitet sexueller Missbrauch in der Gemeinschaft von Triratna ist bzw. war:

Mitglieder, Betroffene und Kritiker von Triratna weisen darauf hin, dass die Richtlinien zum Schutz vor sexuellem Missbrauch (Safeguarding Policies) nur auf dem Papier stehen würden, nie umgesetzt worden seien – erst nach dem BBC Bericht im September 2016 hätte es einige Anstrengungen dazu gegeben diese umzusetzen – und dass die verantwortliche Person für diese Richtlinien in Triratna, Katherine Hopper (Munisha), gleichzeitig die Kommunikationschefin der Organisation ist – also einem potenziellen Interessenkonflikt ausgesetzt ist, da sie Triratna auch als PR Chefin nach außen gegenüber Medien und Behörden vertritt. (Siehe dazu z.B Whitewash, Dishonesty & Culture of Abuse in the Triratna Buddhist Order (TBO) oder die ausführliche Diskussion unter dem Blogpost FWBO / Triratna – Sangharakshita – Cases of Sexual Abuse.)

Katherine Hopper (Munisha), Triratnas Hauptverantwortliche für die Schutz-Richtlinien und Triratnas Kommunikations-Chefin, scheint so sehr in der Kultur von Triratna gefangen, dass ihr das Einfühlungsvermögen für Geschädigte völlig zu fehlen scheint. In einem Podcast vom Februar 2017 sagt sie (Minute 14:47):

Eine Menge dieser Anschuldigungen aus der Vergangenheit haben mit Menschen zu tun, die nicht über sexuelle Beziehungen glücklich sind, die sie als weniger erfahrene Buddhisten mit erfahreneren Buddhisten hatten.

Es wäre hier noch anzumerken, dass Sangharakshita und viele Lehrer und Mitglieder in Triratna das „Griechische Modell“ – junge Männer haben sexuelle Beziehungen mit älteren Männern – priesen und lebten und dass die geschädigten Menschen vor allem junge suchende männliche Personen waren – einige von ihnen unter dem gesetzlich erlaubten Alter zur Zeit der sexuellen Übergriffe (z.B. 16, 17 Jahre). Bis heute hat sich Triratna nicht öffentlich bei den Betroffenen entschuldigt oder den eigenen Anteil an einer Kultur, die sexuellen Missbrauch und Machtmissbrauch ermöglicht, kritisch reflektiert. Statt sich auf eine externe professionelle Untersuchung der Vorfälle und seiner Rahmenbedingungen zu stützen, versucht Triratna mit internen Untersuchungen und Plattformen – die wiederum von Menschen geleitet werden, die Teil einer indoktrinierenden Kultur sind – „aufzuklären“. Dieser Versuch wird sicher eher scheitern und kann auch als weiterer Versuch verstanden werden, Kontrolle über die Ereignisse und seine Hintergründe auszuüben. Triratna hat bereits erfolgreich ein Narrativ etabliert, wonach die sexuellen Beziehungen den Betroffenen geholfen hätten.

Ich würde mir wünschen, dass die Führung von Triratna aufhört, den entstandenen Schaden und die eigene Mitverantwortung klein zu reden bzw. die weitreichenden Verfehlungen – zu denen auch das Denunzieren von geschädigten Menschen und Kritikern gehört – zu beschönigen. Auch wäre es sicher nötig, sich für eine externe Untersuchung mittels einer professionellen Organisation – wie z.B. An Olive Branch – zu öffnen sowie sich öffentlich bei den geschädigten Menschen zu entschuldigen und einen Ausgleich – durchaus auch finanzieller Natur – mit den Betroffenen anzustreben. Wenn es die Führung von Triratna wirklich ernst mit der Aufarbeitung meint, wäre eine weitere nötige Aufgabe, die Anteile nicht-buddhistischer Lehren, die im Rahmen von Triratnas Buddhismus-Präsentation an Menschen gegeben werden – und die einen wichtigen ideologischen Unterbau für den entstandenen Schaden formen – zu identifizieren, sich davon zu distanzieren und diese schließlich aufzugeben. In seiner persönlichen Stellungnahme gab Sangharakshita (Dennis Lingwood) dazu einen (eher nebulösen) Hinweis: „Triratna weist manchmal nicht das Zeichen des Dharma, sondern das meiner besonderen Persönlichkeit auf.“


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