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Zur Entwicklung dieses Blogs

Aktuelles (2017-2018)

Dieser Blog wurde im Jahr 2010 angelegt und entfaltete bis Mai 2017 kaum nennenswerte Aktivitäten. Das änderte sich erst durch Entwicklungen, die mit zwei der mitglieder- und PR-stärksten sowie erfolgreichsten Gruppen der Deutschen Buddhistischen Union (DBU), dem Diamantweg (5.400 Mitglieder) und dessen Gründer, Ole Nydahl, sowie Ripga (1.200 Mitglieder) und dessen spirituellen Leiter, Sogyal Rinpoche, zu tun haben. Vorher dümpelte der Blog eher vor sich hin – wobei der Artikel zu Thich Thien Son aus dem Jahr 2014 natürlich Relevanz hatte und hat (DER SPIEGEL berichtete im Mai 2018 über diesen Fall.)

Ebenso ist das Post von Februar 2017 zu Triratna (DBU Mitglied mit 350 Mitgliedern) nach wie vor relevant. Dies umso mehr, nachdem deren vormalige langjährige Kommunikations-Managerin (PR Frau), Munisha (Catherine Hopper), die nun Safeguarding-Managerin ist (also verantwortlich, Missbrauch präventiv zu verhindern und als offizielle Ansprechpartnerin zum Thema Missbrauch von Triratna aufgestellt wurde) auf der DBU Mitgliederversammlung, Ende April 2018, jahrzehntelange sexualisierte Gewalt durch den Gründer von Triratna, Sangharakshita, oder durch andere Ordensmitglieder weiterhin als „Experimente“ („Experimentations“) verklärte, Betroffene sexualisierter Gewalt als „Liebhaber“ („Lover“) umdeklarierte und die Indoktrinations-Kultur, die sexualisierter Gewalt innerhalb von Triratna erst den ideologischen Unterbau verschaffte, nicht einmal erwähnte sondern die „Experimente“ – also sexualisierte Gewalt – als Ausdruck der „sexuellen  Revolution“ („sexual revolution“) herunterspielte. In dem Sinne setzte Munisha ihren jahrelangen Job als PR Managerin für Triratna zu Lasten der Betroffenen sexualisierter Gewalt bei einer Veranstaltung fort, die Buddhisten zum Thema Missbrauch und sexualisierte Gewalt aufklären sollte. Persönlich empfand ich dieses Vorgehen von Munisha als auch der DBU als ein schmerzhaftes, unglaublich ignorantes Trauerspiel. Im Jahr 2018 lädt die DBU offiziell vier Vertreter von Organisationen ein, deren Anführer Macht für sexuelle Abenteuer mit ihren Schülern missbrauchen, um die Delegierten der DBU Mitgliederversammlung zum Thema Missbrauch „aufzuklären“. Hingegen wurde keine ausgebildete Psychologin, keine Expertin struktureller oder sexualisierter Gewalt, kein Jurist eingeladen. Es wurde kein Zeugnis von Betroffenen sexualisierter Gewalt vorgelesen oder gehört noch wurde eine solche Person, die stark genug ist zu berichten, eingeladen. Nein, die Organisationen, in denen Machtmissbrauch stattfindet, werden offiziell eingeladen von der DBU, den Delegierten der DBU Mitgliederversammlung zu erklären, wie man Missbrauch verhindert. Ein starkes Stück!

Der Fall des Zen Priesters Genpo D. wurde medial und juristisch vollends aufgearbeitet und endete mit seiner Verurteilung zu einer Haftstrafe von sieben Jahren und neun Monaten.

Überblick (2010-2018)

Ursprünglich, also im Jahr 2010, war der Blog dafür gedacht, Menschen, die sich in destruktiven Strukturen von buddhistischen Gruppen – sog. »Sekten« – verfangen haben, eine Möglichkeit zu geben, ihre Erfahrungen anonym mit anderen zu teilen. Dem / der Lesenden sollte der Blog die Möglichkeit geben, von ihren Erfahrungen zu hören und ein besseres Verständnis für die Dynamiken und das Leid, das mit der Involvierung in stark destruktive Strukturen verbunden ist, zu entwickeln. Für ehemalige oder zweifelnde / austrittsbereite Mitglieder »buddhistischer Sekten« sollten die Berichte auf diesem Blog eine Brücke bauen, ihre eigenen Erfahrungen zu reflektieren, in Perspektive zu setzen und zu erkennen, dass sie mit ihrem Schicksal nicht alleine sind und auch, dass es eine »Zeit nach der Sekte« gibt.

Alle Erfahrungsberichte wurden anfänglich in Bezug auf Autoren, Gemeinschaften und Orte vor Veröffentlichung anonymisiert.

Lagen besondere Gründe, eidesstattliche Versicherungen oder Beweise vor, wurden später auch Personen oder Gruppen mit Namen genannt. Das gilt vor allem für Dr. Zernickow, der mit Anwaltsdrohungen den Autor eines anonymen Postes einschüchterte, und Thich Thien Son.

Seit ca. 2008/9 habe ich versucht – noch von Italien aus – die Deutsche Buddhistische Union verstärkt aufzufordern, endlich Verantwortung zu übernehmen und Strukturen und kompetente Ansprechpartner im Dachverband der Buddhisten in Deutschland zu schaffen, an die sich Betroffene von Missbrauch oder deren Angehörigen und Freunde wenden können. Dies war auch teilweise erfolgreich – vor allem nach dem Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegenüber den damaligen Abt der Pagode Phat Hue in Frankfurt, Thich Thien Son. Auf Initiative Franz Johannes Litschs gab es zur Mitgliederversammlung (MV) der DBU am 25. April 2011 einen Workshop zum Thema »Missbrauch« an dem ca. 50 DBU-Mitglieder, die zur MV anwesend waren, teilnahmen und der die Einrichtung eines »Ethik-Rates« und das Aufstellen eines Lehrer-Verhaltenskodex (Ethik Charta) für die DBU forderte. Ein Antrag wurde diesbezüglich gestellt und einstimmig angenommen. Es gab auch 2 Treffen der Arbeitsgruppe »Ethikrat«, nur schlief die Arbeit dieser Arbeitsgruppe aus mehreren Gründen (Krankheit, neuer DBU Rat mit einer anderen Politik) wieder völlig ein. (Details hier.)

So sind Betroffene von Machtmissbrauch, sexuellem, finanziellem oder spirituellem Missbrauch im Kontext des Buddhismus in Deutschland nach wie vor alleine gelassen. Der neue DBU Rat vertritt zudem den kontroversen Standpunkt, dass sexuelle Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern in Ordnung seien. Dem Blog-Betreiber bleibt daher nichts anderes übrig, als wichtig erscheinende Themen und Entwicklungen auf diesem Blog mit dem Nennen von Klarnamen und Hintergründen – oder auch geleakten Dokumenten und Informationen – aufzugreifen und bekannt zu machen. Denn Schweigen, Wegsehen, Nicht-Hinsehen, Leugnung, Schönreden, unter den Teppich kehren sind primär Verhaltensweisen, die Täter und Missbrauch unterstützen und die die Kontinuität von Missbrauch erst ermöglichen. Solche Verhaltensweisen führen in der Regel nicht zum Heilsamen sondern zum Unheilsamen.

Diamantweg / Ole Nydahl (2016-2018)

Seit März / April 2016 wurde die Deutsche Buddhistische Union (DBU) immer wieder von Buddhisten oder Nicht-Buddhisten aufgefordert, sich öffentlich zu fragwürdigen Aussagen Ole Nydahls über Islam, islamistischen Terror und Flüchtlinge zu äußern, sich davon zu distanzieren oder zumindest, eigene Standpunkte zu diesen Themen zu erarbeiten und der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die Diamantweg Bewegung Ole Nydahls ist Mitglied in der DBU, dem größten Dachverband der Buddhisten. Einige Buddhisten und Nicht-Buddhisten zeigen sich entsetzt über die als rechtspopulistisch, flüchtlingsfeindlich oder islamfeindlich empfundenen Äußerungen Ole Nydahls. Sie empfinden diese als unvereinbar mit grundsätzlichen Werten des Buddhismus oder wollen nicht, dass diese kontroversen Äußerungen Ole Nydahls das öffentliche Bild des Buddhismus in Deutschland bestimmen. Bitten oder Aufforderungen um öffentliche Stellungnahme oder Distanzierung, wurden jedoch von der Führung der DBU, allen voran dem 1. Vorsitzenden Gunnar Gantzhorn, konsequent ignoriert. (Mehr dazu in Ole Nydahl hetzt, und die DBU schweigt.)

Nachdem Aussagen Ole Nydahls bei drei Ereignissen im  Jahr 2016 – Nordhessen Rundschau, Deutschlandtreffen des Diamantwegs (wo er u.a. zur Wahl der AfD aufforderte), Autointerview – von der Führung der DBU ignoriert und als unerheblich abgetan wurden, und dann im Jahr 2017 neue Vorwürfe von kritischen Schülern gepostet wurden, empfand ich es notwendig, dem nun mehr Öffentlichkeit zu geben und diese kritischen Stimmen zu verstärken. Daher postete ich hier am 2. Mai 2017 den Beitrag Lama Ole Nydahl: »Nehmt ihr das Mikrofon weg!« – Kritisches Nachfragen nicht erwünscht.
Der Grund des Postes auf diesem Blog mit dem Domain-Namen www.blog.buddhistische-sekten.de war nicht, dass ich die Diamantweg Bewegung als »Sekte« oder Ole Nydahl als »Sektenführer« ansehe oder darstellen will sondern einfach, dass ich keinen anderen deutschen Blog betreibe und auch keinen neuen Blog extra für Ole Nydahl anlegen wollte. Meine deutschsprachige Website www.info-buddhismus.de ist schlicht nicht für eine kritische Auseinandersetzung, wie ich sie hier als dringend nötig erachte, geeignet. Keines der Posts zum Diamantweg oder Ole Nydahl wurde je in der Kategorie Sekte hier auf dem Blog geführt. (Der Diamantweg wirft mir u.a. falsch vor, ich würde sie »seit gut einem Jahrzehnt« als Sekte denunzieren.)¹ Dass dem noch weitere Posts zu OIe Nydahl, Diamantweg oder der DBU nachfolgten, hat primär mit dem Diamantweg, Ole Nydahl, der DBU und meinem Wunsch zu tun, zur Aufklärung beizutragen sowie Ansichten und Handlungen, die ich und andere Buddhisten oder Nicht-Buddhisten als schädlich erachten, nicht einfach schweigend hinzunehmen. Zudem möchte ich mich auch nicht juristisch oder via anderer Mittel einschüchtern lassen.

Der Führung des Diamantweg scheinen die Posts auf dieser Domain ein Dorn im Auge zu sein, da sie fürchten, dass sie von der Öffentlichkeit aufgrund des Domainnamens, www.blog.buddhistische-sekten.de, als sog. »Sekte« wahrgenommen werden. Das ist und war nicht meine Absicht. Daher habe ich den Blog am 14. Juni 2107 in »Buddhismus im Abseits« umbenannt. Zuvor hieß der Blog bereits für eine Weile »Buddhismus auf Abwegen«. Der Blog wird von nun an inhaltlich erweitert und wie der englische Blog, Tibetan Buddhism :: Struggling With Diffi·Cult Issues, verschiedene kontroverse Themen rund um den Buddhismus behandeln – ob das nun Lehrer, Gruppen oder komplexe Themen des Buddhismus sind. Daher, das hatte ich schon eine Weile vor, habe ich gestern einen Beitrag zum Thema Selbst und Nicht-Selbst auf dem Blog gepostet.

Als der Blog noch »Buddhismus auf Abwegen« hieß, fand sich auf dieser Seite das nachfolgende Statement, das ich nach wie vor für gültig erachte:

Grundsätzlich habe ich den Diamantweg zum Beispiel nie als eine sog. »Sekte« betrachtet, weil eines der wichtigsten Merkmale fehlt – eine sehr wirkmächtige emotionale Schwierigkeit auszusteigen. Auf meinem englischen Blog schrieb ich dazu: »Ole accepts when a student leaves him and when the student says he wants to follow another teacher. A former student told me that Ole wished him all the best and let him go without grasping or hostility.«

Allerdings verhalten sich viele Anhänger Ole Nydahls oft wie Sektenjünger, unfähig berechtigte Kritik anzunehmen, leugnen sie Missstände, verheiligen ihren Anführer, verbreiten online in Kommentaren, via unkritischer Medien, unkritischen Dokumentationen Mythen und Propaganda und übertreiben Ole Nydhals und ihre eigene Bedeutung. Kritik wird als Neid abgetan oder sei angeblich dem Erfolg geschuldet. Die vielen Zentren, die Ole Nydahl gegründet habe, seien Beweis, dass ja alles ok sein müsste. Dieses Argument hinkt natürlich, denn auch die Neue Kadampa Tradition (NKT) – mit angeblich 1.000–1.200 Zentren – oder die AfD, die nationalistische Bewegung 969 in Burma sind erfolgreich – Hitler war auch sehr gut darin Leute zu sammeln – Masse macht aber Führer und deren Bewegungen nicht zu seriösen Anbietern auf dem spirituellen oder politischem Markt.

Anregungen, Korrekturen, Gegendarstellungen und Kritik sind herzlich willkommen. Dafür können Sie die Kommentar-Funktion oder das Kontakt-Formular nutzen.

Tenzin Peljor
Letzte Änderung 15. Juni 2018


¹ Grundsätzlich, so entschied das Oberlandesgericht Frankfurt, ist der Sekten-Vorwurf als freie Meinungsäußerung anzusehen. Das gilt selbst dann, wenn er gegen Unternehmen vorgebracht wird. (Siehe OLG-URTEIL: Sekten-Vorwurf ist freie Meinungsäußerung – FAZ)

Titelbild: © Anandajoti Bhikkhu, “Buddha in Wilderness, Maha Vihara Mojopahit, Trowulan, East Java” (CC BY 2.0)

Ein Gedanke zu „Über

  • 12. August 2017 um 09:28
    Permalink

    Grenzwertiges Verhalten von buddhistischen Lehrern den Schülern gegenüber ist seit langem bekannt. Wenn man lange im Dharma ist, weiss man davon.
    Was mich jedoch ebenso erschrocken hat, waren die westlichen Schüler, die oft wie kleine Kinder ihre Lehrer idealisieren und unredliches Verhalten auf die skurrilste Art rechtfertigen. Wenn man da Zweifel äußert muss man als betroffener Schüler die „Gemeinschaft“ verlassen.
    Leider hat all dies ja nichts mit der eigentlichen Lehre zu tun und man braucht allemal Anleitung, wenn man praktizieren möchte.
    Eine offene, freundliche Kommunikation ist ja immer nötig, wenn Menschen aufeinandertreffen, erst recht, wenn diese aus verschiedenen Kulturen kommen. Aber wenn es sich um ein Schüler-Lehrer Verhältnis handelt, in der es logischerweise ein hirarchisches Gefälle gibt, ist es noch schwerer.
    Es bleibt nichts, als die Beweggründe für das eigene Verhalten immer wieder zu hinterfragen. Und dann das Gespräch zu suchen. Es kann sein, dass man dann weiterziehen muss…..

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