Faktencheck: Die Kommunikationsstrategie des Diamantwegs (BDD)

Es ist der 28. April 2018, Mitgliederversammlung der „Deutschen Buddhistischen Union“ (DBU) in Immenstadt im Allgäu, im Europazentrum des „Buddhistischen Dachverbands Diamantweg e.V.“ (BDD). Die Stimmung ist gereizt. In den Wochen vor der MV spitzte sich der Konflikt um den Diamantweg zu. Im Fokus stehen wieder einmal umstrittene Äußerungen Ole Nydahls, Gründer und Leiter der buddhistischen Diamantweg-Bewegung, und kompromittierende Fotos, die Nydahl mal mit einer Waffe, mal im Kreise von Rechtspopulisten zeigen. Es wird nun zu einer Aussprache kommen. Der BDD hat eine Stellungnahme verfasst, die einem Fragenkatalog der Räte der DBU antwortet. Die Stellungnahme ist den rund 60 Delegierten der DBU zusammen mit den Fragen einige Tage vor der MV zugegangen.

Es soll hier an einigen Aussagen aus dieser BDD-Stellungnahme bespielhaft gezeigt werden, wie der BDD meisterhaft auf der Klaviatur manipulativer Kommunikation spielt. Der BDD bedient sich Unwahrheiten, er versucht zu verschleiern und zu verharmlosen, mit dem Ziel ein Narrativ zu etablieren, dass vor allem eines sagt: Der Diamantweg, das sind die Guten, Elite, niemand hat das Recht dies auch nur infrage zu stellen, man ist Opfer einer Verleumdungskampagne. Dazu schreibt der BDD u.a., die DBU habe kein Recht, den BDD diese „befremdlich wirkenden Unterstellungen und Fragen“ überhaupt zu stellen, Nydahl Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus vorzuwerfen, sei „schlicht Unsinn“ und eine Verunglimpfung, jedwede Auffassung zu tagesaktuellen politischen Themen sei ohnehin Privatsache. Man fordert für sich selbst das Recht auf Meinungsfreiheit ein, gesteht es aber den Kritikern am Diamantweg nicht zu, sondern diffamiert sie und versucht Unliebsames durch juristische Mittel zu unterdrücken. Ein kleiner Personenkreis verbreite „negative Gerüchte“, heißt es dann.

Die Opferinszenierung

Aber der Reihe nach: Die Stellungnahme beginnt mit der vom BDD gewohnten Hybris, mit Eigenlob wie bedeutsam die Diamantweg-Bewegung in Deutschland sei. Man will sagen, „wir sind unangreifbar“ und jede Kritik an der Diamantweg-Bewegung ist per se unangebracht und kann nicht wahr sein. Ein klassisches Beispiel für ein Argumentum ad crumenam: Aus Erfolg erwächst automatisch die Wahrheit der zugrunde liegenden Ansichten. Als „zentraler Akteur“ einer ungerechtfertigten Kampagne gegen die Diamantweg-Bewegung wird der buddhistische Mönch Tenzin Peljor, Vorstandsmitglied der mit der DBU assoziierten Deutschen Buddhistischen Ordensgemeinschaft DBO, ausgemacht, der als „Michael Jäckel alias Tenzin Peljor“ bezeichnet wird. Diese Ausdrucksweise möchte wohl implizieren: Der angebliche Mönch, ist nur der Michael aus Berlin, der kein besonderes Vertrauen genießt. Tenzin Peljor, den die buddhistische Community im Westen für seine aufklärerische Arbeit sehr schätzt, wird aber auch ganz offen als moralisch zweifelhaft hingestellt: „Offensichtlich scheint Tenzin Peljor weder sich selbst noch das Umfeld seiner eigenen buddhistischen Gemeinschaft an seinen selbstgestrickten Kriterien zu messen.“ Tenzin Peljor soll „seit gut einem Jahrzehnt auf seiner Website [die Diamantweg-Bewegung] als Sekte diffamieren „und auf vielzähligen Blogs Unwahrheiten“ verbreiten – ein Argumentum ad hominem.

© erika dot net | (CC BY-NC 2.0)

Unwahrheiten und der Umgang mit Kritikern

An dieser Stelle agiert aber tatsächlich der BDD mit einer Unwahrheit: Tenzin Peljor hat die Diamantweg-Bewegung nie als Sekte bezeichnet, sondern stets betont, dass dem Diamantweg mindestens ein wichtiges Sektenkriterium fehle. Es sei nicht zu erkennen, dass Mitgliedern der Austritt aus der Gemeinschaft bewusst schwer gemacht werde. Der BDD tut also das, was er anderen unterstellt. Er nutzt eine Unwahrheit, um einem vermeintlichen Gegner anzulasten, dieser setze Unwahrheiten in die Welt. Welche Unwahrheiten Tenzin Peljor „seit gut einem Jahrzehnt“ verbreite, wird weder hier noch später in der Stellungnahme genauer ausgeführt. Es wird nur immer und immer wieder gebetsmühlenartig wiederholt, dass es so sei. Durch diese ständige Wiederholung soll die Aussage wahr erscheinen. Hier begegnet uns also aus der Trickkiste manipulativer Rhetorik das sogenannte Argumentum ad nauseam. Sachliche Kritik pauschal als Unwahrheiten zu bezeichnen, ist aber mindestens unschöne Polemik und weit von Rechter Rede entfernt.

Weiter geht es mit der Behauptung, es gäbe „mittlerweile mehrere rechtskräftige gerichtliche Entscheidungen gegen ihn [Tenzin Peljor] und ein paar seiner Mitstreiter wegen Verleumdungen“. Damit bedient sich der BDD einer weiteren Unwahrheit oder doch zumindest einer Halbwahrheit. Es gibt gar keine „rechtskräftigen gerichtlichen Entscheidungen wegen Verleumdungen“. Was es gibt, sind juristische Angriffe seitens des BDD gegen einen Blogger aus Köln, Lokalpolitiker und kritischen Ex-Schüler Nydahls, gegen den respektablen Herausgeber der buddhistischen Zeitschrift „Ursache/Wirkung“, Peter Riedl, ehemaliger Generalsekretär und Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft ÖBR, und gegen Tenzin Peljor. Weiter gibt es min. zwei abgegebene Unterlassungserklärungen zu umstritten Äußerungen von Kritikern, ebenso wie abgeschlossene Vergleiche. Beides aus Kostengründen. Denn für eine finale gerichtliche Entscheidung, ob eine Äußerung zulässig ist oder nicht, etwa bis zum OLG, können jeweils Kosten bis zu mehreren zehntausend Euro entstehen. Diesen finanziellen Aufwand kann sich nicht jeder leisten. Und das weiß der BDD auch und setzt es offenbar strategisch ein. Weitere Verfahren sind zum Zeitpunkt der Stellungnahme noch in der Schwebe. Auch hierbei werden beiderseits aber Vergleiche angestrebt. In keinem Fall hat ein Gericht einen der genannten Kritiker wegen Verleumdung verurteilt, wie es suggeriert werden soll.

Kritiker werden durch den BDD pauschal abgewertet. Es wird versucht deren Glaubwürdigkeit und Integrität infrage zu stellen. Da heißt es dann, dass Kritik „üble Nachrede und Verleumdungen“ sei, der BDD spricht von „fragwürdigem, rufschädigendem Material“, oder es ist von „willkürlich konstruierten Zusammenhängen und abstrusen Behauptungen“ die Rede, die „in sehr grober und abschätziger Rede verfasst sind“. Wer die Blog-Texte und Beiträge in renommierten Medien wie dem WDR, dem Deutschlandfunk oder anderen Presseorgangen kennt, der weiß, dass dies in Wahrheit die üble Nachrede ist. Es wird natürlich auch hier an keiner Stelle deutlich, welches Material fragwürdig sein soll. Wo genau wurden willkürlich Zusammenhänge konstruiert? Und warum ist ein sachlich aufbereiteter kritischer Beitrag plötzlich grob und abschätzig verfasst? Es wird immer wieder das gleiche Narrativ bemüht: Nydahl und der Diamantweg haben sich nichts zuschulden kommen lassen, alles sei lediglich eine große Verschwörung.

Verschleiern und Verharmlosen

Zu dem Verhältnis Nydahls und des BDD zum Islam und zu Muslimen, insbesondere etwa im Blick auf einen interreligiösen Dialog, antwortet der BDD ausweichend. Man lässt sich ausschweifend darüber aus, dass man mit Gruppierungen, für die „die Akzeptanz der Gesetze nicht selbstverständlich“ ist, „etwa bei Akteuren und Gruppierungen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden bzw. religiös motivierte Gewalt befürworten oder gar anwenden“, ein Austausch nur schwer möglich sei, weshalb man sich in der Vergangenheit „in manchen Fällen bewusst gegen eine Teilnahme entschieden“ habe.  Das war aber gar nicht gefragt. Mit dieser Antwort stellt der BDD zudem die 4,5 Millionen Muslime, die in Deutschland leben, unter Generalverdacht.

Weiter lesen wir in der BDD-Stellungnahme:

Lama Ole Nydahl vertritt gegenüber solchen islamischen Strömungen eine kritische Haltung, die weltanschauliche Positionen vertreten, die unvereinbar mit westlichen Grund- und Menschenrechten sind, z. B. hinsichtlich der Gleichberechtigung von Mann und Frau, der Trennung von Staat und Religion, des Gewaltverbotes, der Toleranz und Religionsfreiheit.

Dies spiegelt aber in keiner Weise die Haltung wider, die uns in vielfach dokumentierten Aussagen Nydahls über den Islam und Muslimen begegnen. Dort wird in der Regel grob pauschaliert. Nydahl hat mehrfach gezeigt, dass er zu einer differenzierten Islamkritik entweder nicht in der Lage oder nicht willens ist. Bedenkenswert ist in diesem Zusammenhang ebenso, dass es sich bei den neueren Aussagen Nydahls ja nicht um Einzelfälle handelt: ein, zwei unglückliche Formulierungen, die missverstanden wurden. Die aktuellen Äußerungen Nydahls reihen sich nahtlos in eine ganze Reihe Statements ein, die er seit Jahrzehnten aufsagt, und die von Buddhisten und Nicht-Buddhisten als fremdenfeindlich und rassistisch bewertet wurden.

Beide Ausführungen beruhen auf dem sogenannten Argumentum ad odium, dem Hassargument. Das Argumentum ad odium will durch das Schüren von Vorbehalten überzeugen, indem es an bereits vorhandene Vorbehalte anknüpft.

Besonders interessant wird die BDD-Stellungnahme dann, als nach den im Frühjahr 2017 aufgetauchten Fotos gefragt wird. Auf einem etwas älteren Foto ist Nydahl mit einer Kriegswaffe im Anschlag zu sehen. Ein weiteres Foto zeigt ihn zusammen mit Tomek Lehnert, wie Nydahl Vorstandsmitglied der „Buddhismus Stiftung Diamantweg“, Nicolai Sennels, Schüler Nydahls und Anführer der dänischen Pegida, und Lars Hedegaard, mit dem Nydahl „seit langem befreundet“ sei. Lars Hedegaard stand bereits wegen Volksverhetzung vor Gericht. Sie alle treffen den bekannten niederländischen Rechtsextremisten Geert Wilders.

Die Authentizität der Fotografien wird vom BDD nicht bestritten. Im Wesentlichen erklärt der BDD das Zustandekommen der Fotos aber damit, dass Nydahl „in seiner Funktion als Repräsentant der Karma Kayü Linie regelmäßig seit 40 Jahren Vertreter aus allen gesellschaftlichen Bereichen“ treffe. „Von solchen Begegnungen gibt es viele Fotos aus zahlreichen Ländern.“ Die ältere Fotografie zeige Nydahl „vor einigen Jahren in Israel am Rande einer Vortragsveranstaltung, bei der auch Soldaten anwesend waren. Einer dieser Besucher reichte Lama Ole Nydahl seine Waffe“.

Die Fotografie, auf denen zusammen mit Nydahl Geert Wilders und die Rechtspopulisten zu sehen sind, entstand 2014 auf einer Veranstaltung der „International Free Press Society“. Der Gründer der „International Free Press Society“, Lars Hedegaard, wird dann fälschlich als „linker Journalist“ bezeichnet. Auf Hedegaard sind Schablonen wie links oder rechts nicht anwendbar. Er hat in der Vergangenheit sowohl für linksliberale als auch für konservative Medien gearbeitet. Was aber über Hedegaard, den langjährigen Freund Nydahls, sicher gesagt werden kann, ist, dass er aufgrund eines 2009 geführten informellen Gesprächs mit anderen Journalisten wegen Volksverhetzung angezeigt wurde. Hedegaard erklärte damals, dass Muslime „ihre eigenen Kinder vergewaltigen. Man hört ständig davon. Mädchen in muslimischen Familien werden von ihren Onkeln, Cousins oder Vätern vergewaltigt“. Es kam lediglich aus formalen Gründen nicht zu einer Verurteilung. Das Gericht stellte in letzter Instanz fest, dass die betreffende Äußerung nicht für die Veröffentlichung gedacht war, sondern informellen Charakter hatte. Der Tatbestand der Volksverhetzung verlange aber, dass eine entsprechende Äußerung öffentlich gemacht werde. Ob Verurteilung oder nicht – an der Gesinnung Hedegaards kann kein Zweifel bestehen. Die von Hedegaard gegründete „International Free Press Society“, der Gastgeber der Veranstaltung also, bei der die Fotografie entstand, wurde von Hedegaard u.a. in Opposition zum dänischen Autorenverband P.E.N. gegründet. Die „International Free Press Society“ steht vielen internationalen Islamkritikern und Bloggern, die als islamophob gelten, nahe.

Die Veranstaltung selbst, war ein von der „International Free Press Society“ zum 10-jährigen Todestag Theo van Goghs organisiertes Zusammentreffen. Theo van Gogh, ein niederländischer Filmregisseur, Publizist und Satiriker, wurde 2004 Opfer eines Mordanschlags eines Islamisten. Van Gogh fiel vor allem als Gegner einer multikulturellen Gesellschaftsidee und durch islamophobische und antisemitische Äußerungen auf. Durch die Betonung, dass die Veranstaltung, bei der das Foto entstanden ist, „im Gebäude des dänischen Parlaments“ stattgefunden habe, will der BDD dem Ganzen dann wohl einen seriösen Anstrich geben. Darauf zielt auch die Bezeichnung Geert Wilders als „Parlamentsabgeordneten“. Natürlich ist Wilders niederländischer Parlamentsabgeordneter aber er ist auch laut einer Studie niederländischer Extremismusforscher „neo-rechtsextrem“ und wurde bereits wegen Volksverhetzung verurteilt. Die Gedenkveranstaltung hat mit dem dänischen Parlament auch wohl gar nichts zu tun, sondern fand nur in dessen Gebäude statt. Vermutlich kann man sich dort in der Kantine einmieten.

Spannend ist in diesem Zusammenhang sicher auch, dass auf der Website des rechtspopulistischen Blogs, von der dieses Foto stammt, ein Kommentar zu lesen ist, der aus dem Dänischen ins Deutsche übersetzt, in etwa so lautet: „Danke, Steen, dass du Ole Nydahl [für diese Veranstaltung] bekommen hast. Er ist seit Jahrzehnten bereit. (…) Wie mein guter Freund Henrik Ræder Clausen vor kurzem auf einer Privatparty kommentierte: ‚Ole Nydahl ist Dänemarks erster und größter Islamophobiker – er hätte den Friedensnobelpreis erhalten sollen!‘”

Fassen wir also zusammen: Zwei Vorstände der „Buddhismus Stiftung Diamantweg“, Nydahl und Lehnert, treffen auf einer Veranstaltung, die von einem Verband organisiert ist, dessen Gründer wegen Volksverhetzung Aufsehen erregte und die offensichtlich politisch rechtsaußen angesiedelt werden muss, eine Reihe von ihnen bereits bekannten und befreundeten Rechtspopulisten und mindestens einen rechtsextremen Politiker. Zusammen gedenkt man eines verstorbenen Islamkritikers und Antisemiten und tauscht Visitenkarten aus. Laut BDD ist das alles Zufall. Und das Foto mit der Waffe? Nun, wir wissen ja, dass es typisch für buddhistische Lehrer ist, dass sie Kriegswaffen besichtigen, die dazu konstruiert wurden, um Menschen zu töten, und diese, wenn sie ihnen gereicht werden, kennerhaft in den Anschlag nehmen. Also denken wir uns auch hierbei nichts.

Der BDD hat in punkto Rhetorik seine Hausaufgaben gemacht. Er bedient sich bravourös diverser Typen von Argumenten und Sophismen. Rechte Rede ist dies aber nicht mehr. Und neu ist dieser Kommunikationsstil des BDD auch nicht. Schon 2013 schreibt das scheidende Vorstands- und Ratsmitglied der DBU SoGen Ralf Boeck über seine Erfahrungen:

Es waren insbesondere die Delegierten des BDD, die hier mit einer brutalen Rhetorik vorgingen (…). Knallharte Interessenvertretung mit allem, was rhetorische Mittel einschließlich unsachlicher und unfairer Polemik dazu hergeben. (…) Ich habe so etwas außerhalb von politischen Zirkeln bislang nur bei Scientologen erlebt.

Der BDD wirft seinen Kritikern Verleumdung vor. Was eine Verleumdung ist, ist im Strafgesetzbuch in § 187 sehr genau definiert: Wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behaupten oder verbreiten, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist. Wir haben gesehen, dass tatsächlich die Rhetorik des BDD den Verleumdungskriterien sehr nahekommt, wenn sie diese nicht bereits erfüllt.

Vor diesem Hintergrund muss die Frage erlaubt sein, ob das gesamte Gebaren des BDD überhaupt noch mit buddhistischer Ethik und dem Leitbild der DBU vereinbar ist, in dem es unmissverständlich heißt: „Unsere Kommunikation miteinander ist auf gegenseitige Wertschätzung, Achtsamkeit, Mitgefühl, Weisheit und freundschaftliches Wohlwollen ausgerichtet.“ Und ob damit der BDD noch auf dem Boden des gemeinsamen Bekenntnisses steht, das die Grundlage für die Mitgliedschaft in der DBU bildet.

Gastbeitrag von Gustav Toomer

Materialien

Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW)

Kritische Blog-Beiträge

Ermittlungen Staatsanwaltschaft Kempten

Kritische Medienbeiträge

Denkmalsetzung für den Diamantweg und Ole Nydahl via Hannah Nydahl Kinofilm

Faktencheck: Die Kommunikationsstrategie des Diamantwegs (BDD)

15 Gedanken zu „Faktencheck: Die Kommunikationsstrategie des Diamantwegs (BDD)

  • 17. Juli 2018 um 14:54
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    Ich erinner mich an eine Schnupperveranstaltung des Diamantwegs im Jahre 2001, in der Ole Nydahl schon sehr frei und unreflektiert zum Publikum, das nicht nur aus seinen Anhängern bestand, über den Islam sprach: ‚Christentum & Buddhismus gut, Islam nix gut.‘

    Aber die Diskussion auf dieser Ebene zu führen, finde ich sehr wenig zielführend. – Der Autor des Beitrags, wie viele andere auch, wissen, mit wem sie es zu tun haben, interessanter finde ich die Fragestellung, wann die DBU den Zeitpunkt als gekommen erachtet, ein Ausschlußverfahren anzustreben. – Ich denke, nur darauf haben die DBU Mitglieder Einfluß, nicht aber auf den Diamantweg.

    Und die unreflektierte und populistische Kritik Ole Nydahls am Islam sollte uns auch nicht daran hindern, selber eine reflektierte Auseinandersetzung mit dem Islam zu scheuen.

    Wenn ich das für mich versuche, lande ich früher oder später immer beim Toleranz-Paradoxon von Popper und der Fragestellung, welche Risiken eine Gesellschaft überhaupt eingehen darf, eingedenk des Wissens um die leichte Entflammbarkeit des Hasses unter Muslimen.

    Wer von uns hätte geglaubt, daß die Türkei sich innerhalb so kurzer Zeit in einen solch repressiven Staat verwandeln würde? – Wer von uns hätte geglaubt, daß die Abschaffung von Menschenrrechten in der Türkei hierzulande auf dermaßen viel offen zur Schau getragener Zustimmung stoßen würde? – Wer von uns hätte geglaubt, daß es Tausende im Westen aufgewachsene junge Muslime in die Kriegsgebiete ziehen würde, um für die Errichtung eines Höllenstaates zu streiten.

    Und wo sind die Ansprechpartner, mit wem sollten wir überhaupt in einen interreligiösen Dialog treten? – Den Vertretern von DITIB vielleicht? – Oder jenen sog. liberalen Kräften innerhalb des Islams, die hierzulande auch sehr gerne Opferschutz in Anspruch nehmen?

    Und in diesem Zusammenhang komme ich auch selten umhin, mich zu fragen, wie wohl der tibetische Buddhismus als solcher dem Islam gegenüber steht und ob die strikte Abgrenzung des Islams durch Leute wie Ole Nydahl nicht auch in ihm begründete Ursachen hat:

    http://www.trimondi.de/Lamaismus/Krieg-3-Allah-Buddha.htm

    Es ist ja nicht so, daß der Buddhismus wie auch das Christentum und mit ihm Europa nicht in seiner Geschichte bereits einschlägige Erfahrungen hat sammeln dürfen.

    Antworten
    • 17. Juli 2018 um 15:14
      Permalink

      Stefan, ganz kurz nur, Trimondis als Quelle und Aufklärung schließen sich für mich aus. Kein Wissenschaftler, der sich mit der Materie auskennt, nimmt sie ernst. Das ist letztlich Verschwörungstheorie. Es gibt einige kritische Auseinandersetzungen zu Trimondis Werken – bzw. seriöse Quellen:

      Antworten
      • 17. Juli 2018 um 23:29
        Permalink

        Ich hatte meine Fragestellung vermutlich nicht klar genug formuliert, die Trimondis sollten weniger als Beleg, denn zur Untermauerung meiner Fragestellung dienen: Wie ist das Verhältnis des (tibetischen) Buddhismus zum Islam? – Und wie verhält es sich mit dem Kalachakra-Tantra?

        Ich persönlich stehe den drei sog. monotheistischen Religionen äußerst skeptisch und mit sehr viel Zurückhaltung gegenüber. – Wie war das noch gleich? – ‚An ihren Taten sollt ihr sie erkennen.‘

        Im Islam beginnt das fröhliche Sichgegenseitigmeucheln und -morden bereits, kaum daß der Prophet bestattet war, dem bunten Treiben fallen sogar direkte Nachfahren von ihm zum Opfer. – Seine eigenen Taten mit der buddhistischen Meßlatte Sila zu vermessen, können wir uns, denke ich, ersparen.

        Im Judentum ist bereits die heilige Schrift randgefüllt mit Gräueltaten, die sich kaum anders lesen als das Schwarzbuch der Menschheitsgeschichte, exemplarisch sei an dieser Stelle nur verwiesen auf 5Mos 6,10-11.

        Das frühe Christentum war da gewiß anders, aber spätestens mit der Wende zum konstantinischen, römisch-katholischen Christentum gerät das von Meister Joshua gepredigte Gottesbild wieder stark ins Hintertreffen.

        ‚An ihren Taten sollt ihr sie messen.‘ – Und ihre Taten sprechen eine derart deutliche Sprache, daß man, wenn man wirklich vorgeben möchte, die Lehren aus der jüngeren deutschen Geschichte gezogen zu haben, nicht umhin kommt, an das römisch-katholische Christentum, den Islam und das Judentum die gleichen strengen Kriterien anzulegen wie an den Hitlerismus.

        Was neuerlich zum Toleranz-Paradoxon führt: Wie viel Toleranz können wir eingestehen den Intoleranten.

        Und letztlich kann es wahrscheinlich sogar dahingestellt sein, ob das Kalachakra-Tantra eine Entscheidungsschlacht prophezeit oder nicht, denn ein jeder von uns steht mitten in dieser Schlacht der Entscheidung: Binde ich mich weiter an die eine wie andere irdische oder vorgeblich himmlische Macht oder wähle ich für mich jenen himmlichen Weg zur Befreiung.

      • 17. Juli 2018 um 23:42
        Permalink

        Ganz kurz wieder nur (aus Zeitmangel): In Tibet haben Muslime gelebt. Soweit mir bekannt, gab es keine Spannungen zwischen Tibetern und Muslimen in Tibet. Spannungen gab es mit christlichen Missionaren – da habe ich was in Englisch. In Deutsch zu dem was Du fragst hier Artikel von Dr. Alexander Berzin:

        Ich frage mal bei drei Tibetologen und einer gut informierten Journalistin nach und gucke was sie dazu empfehlen.
        Das nur als Start …

  • 19. Juli 2018 um 13:04
    Permalink

    Lieber Tenzin,

    an dieser Stelle zunächst einmal ein großer Dank für die vielen Links,
    insbesondere für den auf die Berzin-Archives.

    Einmal mehr schieße ich wohl ein wenig über das eigentliche Thema hinaus…
    Aber die Übergänge scheinen da auch sehr fließend zu sein,
    wie auch Deine Antwort zeigt.

    Bei Berzin bin ich auf das Transkipt einer Rede des Dalai Lamas
    zum Thema Religiöse Harmonie & Mitgefühl gestoßen,
    die mich zu einer Fragestellung führt,
    der ich derzeit immer wieder begegne:

    Wann werden wir Menschen unsere spirituellen Bemühungen ausrichten
    auf ein gemeinsames ‚Ziel‘?

    Wann werden wir -und vor allem wie- dieses Trennende im Geiste überwinden?

    Heidegger soll einmal gesagt haben,
    daß nur noch ‚ein Gott‘ uns zu helfen vermöge.

    Ich würde das anders formulieren wollen:
    Eine gemeinsame, so viele Menschen als möglich umfassende Berührung
    mit dem ‚Göttlichen‘, dem ‚himmlischen Weg‘, dem ‚Dharma‘,
    dem ‚Nullfeld‘.

    Was hindert uns?
    Warum klammern wir uns alle derart an unsere sektiererischen, spirituellen Wege?

    Liebe Grüße

    Stefan

    Antworten
    • 25. Juli 2018 um 00:04
      Permalink

      Lieber Stefan,
      gerne.

      In Bezug auf deine Frage. Wieso sollten wir Menschen EIN gemeinsames Ziel haben? Wieso sollten Menschen nicht unterschiedliche gemeinsame Ziele haben? Trennendes ist nicht aus sich heraus schlecht, es kommt darauf an, ob es Heilsames oder Unheilsames anregt. Wenn einer ertrinkt und ich kann nicht trennen ob ich oder der andere ertrinkt, kann ich nicht Verantwortung übernehmen ihm zu helfen. Aber mein Mitgefühl würde sich mit seiner Not verbinden.

      Auch, weil Menschen unterschiedlich sind, gibt es unterschiedliche Wege und Ziele. Wieso sollte man das vereinheitlichen? Die Kommunisten sind ja mit Einheitspartei und so ziemlich vor den Baum gefahren. Der kollektive Einheitsbrei hat einfach die Individualität geleugnet, die gibt es aber nun mal …

      Im Vajrayana erklärt man 5 Arten von Weisheit, zwei davon sind die Weisheit der Gleichheit und die Weisheit der Individualität. Angewandt auf Menschen erkennen diese: Menschen sind gleich in dem Wunsch glücklich und frei von Leiden sein zu wollen und einem Streben nach der Erfüllung dieser Wünsche. Sie sind aber unterschiedlich in ihren Vorstellungen und Pfaden, ihren Begabungen und Verständnissen, wie das zu erreichen ist.

      Im Übrigen, sehe eben, dass die Tibeter in einer ihrer Weisheitsanthologien auch einen Text integriert haben, der von einem weisen muslimischen Autor stammen soll:

      The final work is the intriguing Kaché Phalu’s Advice. Ostensibly written by a wise Tibetan Muslim, this versified text enjoys great popularity within Tibetan-speaking communities, such that many Tibetans are able to recite at least a few verses from memory.

      https://www.wisdompubs.org/book/tibetan-book-everyday-wisdom
      LG T

      Antworten
      • 25. Juli 2018 um 01:26
        Permalink

        Ich suchte neulich mal für einen Briefwechsel eine gechantete Zufluchtnahme und war auf diese hier gestoßen:

        https://www.youtube.com/watch?v=agERhyF553o

        ‚Zufällig‘ beinhaltete sie auch meine liebste Siddhartha-Gautama-Anekdote, von jener Flußquerung hatte ich es ja schon das ein ums andere Mal.

        In der auf diesen Querungsversuch und die Erkenntis am Flußufer folgenden Nacht fiel der Legende nach die Schale der Ichheit von ihm und er begann der Menschheit den Weg zur Reinheit zu lehren.

        Am Benediktushof in Holzkirchen hat es am Klostertor ein sehr interessantes Zeichen, jenes hier:

        http://www.zendo-entringen.de/zusatzangebote-1/kurse-auf-dem-benediktushof/

        Die Menschen sind gleich in dem Wunsch, glücklich und frei von Leiden sein zu wollen und trotz der verschiedenen Gewänder, die sie tragen, beschreiten sie letztlich alle den gleichen Weg.

        Hätten sie für diesen eine gemeinsame Sprache, sie würden sich weniger die Köpfe an einander stoßen.

        ‚Wir werden einander niemals verstehen, bis wir die Sprache auf sieben Worte reduzieren.‘

        Khalil Gibran (Seine 7 Worte waren: Du, Ich, Leben, Gott, Liebe, Schönheit und Erde.)

        Daß sie sie nicht haben, ist nicht ihnen zum Vorteil sondern allein denen, die davon profitieren, sie immer wieder gegeneinander auszuspielen, aufzuhetzen.

        Und ich glaube, auch dieses schrieb ich bereits und es ist eng verbunden mit dem Thema Deines Blogs: buddhistische Sekten und Machtmißbrauch.

        Ihr, und ich sage jetzt ganz bewußt Ihr, Ihr sucht das, sucht das immer wieder, hängt Euch Lehrern wie Lehren an, baut Rituale der Hingabe um sie, der Ehrerbietung – bis der nächste Zweifel kommt, das Alte verdammt wird und Ihr etwas Neues ausprobiert.

        Life of Brian: ‚Du bist der Messias, ich muß es wissen, denn ich bin schon vielen gefolgt.‘

        Vom Punkt Omega aus betrachtet gibt es keine Lehre, gibt es keine Lehrer, gibt es keinen Weg, da gibt es nur diesen einen, alles durchwirkenden Punkt.

        Ein Buddha ist eins mit ihm, deswegen ist er ein Tor zu ihm, bildet sich um ihn dieses magische Feld.

        Gestern nach längerer Zeit einmal wieder einen recht bekannten ZEN-Text von Daio Kokushi gelesen:

        ‚In der Absicht, Blinde anzuziehen,
        ließ Buddha seinem goldenen Munde
        spielerische Worte entspringen;
        seitdem sind Himmel und Erde überwuchert
        mit dichtem Dornengebüsch.‘

        Und Hawkins machte mir die Tage den wesentlichen Unterschied zwischen Buddha und Christus deutlich: Buddha lehrte Durchlichtung, Christus Erlösung.

        Man könnte auch sagen, Christus führte seine Schüler zunächst einmal zurück auf den himmlischen Weg, fort von der Angst der Sterblichkeit, Buddha hingegen führte Beschreiter dieses Weges zur Vollendung.

        Ich weiß, zuweilen ist das nicht ganz so leicht und scharf von einander zu trennen,
        da je nach Schwankungsbreite der Gemütslage unsere Suche eine andere sein kann.

        Aber Hawkins beschreibt auch, daß der Unterschied zwischen Durchlichtung und Erlösung ein gradueller ist, abhängig von der Intensität des ‚Licht-/Geistkontaktes‘.

        Worauf ich hinaus will:

        Wenn wir heute unsere Aufmerksamkeit bündeln würden
        hätten wir morgen den Himmel auf Erden.

        Wir sollten weniger Lehren und Lehrer und Wege suchen,
        als Gemeinschaft:

        ‚Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,
        da bin ich mitten unter ihnen.‘

        (Nur haben die Christen das mit dem Namen leider ein wenig zu wörtlich genommen…)

        Gestern wurde mir das hier geschickt:

        https://www.youtube.com/watch?v=1EumnijQBhw&t=4s

        Eine ey-to-ey-experience können Menschen über alle Rassen- und Religionsunterschiede hinweg machen.

        Ebenso verhält es sich mit der Erfahrung der unio mystica, auch sie könnten sie miteinander teilen. – Und ich behaupte: Ein Großteil der Menschen ebenso leicht und spielerisch, denn:

        ‚We are like islands in the see,
        separate on the surface
        but connected in the deep.‘

        Warum also künstlich aufrecht erhalten die Trennung?

        Post scriptum:

        Und wer A sagt zu no borders no nations,
        der muß auch B sagen zu einer die heimatlos vagabundierende Menschheit verbindenden Spiritualität.

        Tut er das nicht, hat nicht nur des Deutschen liebster spiritueller Sehnsuchtsort Tibet ein Recht auf seine Freiheit, seinen eigenen Weg.

      • 25. Juli 2018 um 01:52
        Permalink

        Die Kommunisten haben nicht nur die Individualität der Menschen geleugnet, sondern vor allem ihre Rückbindung an jene Ebene des Geistes die man in unseren Breitengraden zumeist Gott nennt.

        Interessant nicht, daß die Individualisten jene Ebene in gewisser Weise auch leugnen, oder?

        ‚Denn eher kommt ein Kamel durchs Nadelöhr als ein (geistig) Reicher in den Himmel.‘

        Und nach meiner Auffassung gehen auch Individualität und Anatta nur schlecht zusammen.

        Und was man, nicht zuletzt in ‚Buddhas Weg‘, auch immer wieder sieht, daß auf dem Weg der Befreiung von der Ich-Gebundenheit, die Menschen an die Stelle ihres Egos ein Gruppenego setzen, um dann unter dem Deckmantel der Ichlosigkeit fortleben zu können ihre Egostrukturen.

        Weisheit der Gleichheit und Weisheit der Individualität verstehe ich folgendermaßen:

        Gleichförmigkeit in der Gotteserfahrung,
        Anatta in der miteinander geteilten Stille.

        Individualität, sobald wir wieder miteinander reden.

        Ich trage mein Haar lang,
        Du trägst das Deine kurz.

        Für Buddha war das geschorene Haupthaar Ausdruck seiner Individualität,
        weil zu seiner Zeit ein frommer Mann ein verfilztes Haupthaar tragen mußte.
        Für seine Anhänger hingegen wurde es zum Zeichen der Gleichheit,
        des Bekenntnisses.

      • 29. Juli 2018 um 16:01
        Permalink

        Stefan, manchen Deiner Kommentare kann ich nur schwer folgen und sie haben nicht so viel mit der Sache der Posts zu tun. Im obigen Post geht es um manipulative Kommunikationsstrategien – die ich aus eigener Erfahrung nun noch um Gaslighting erweitern würde.

        Konzentriere ich mich auf das was für mich verständlich und auch im Kontext des Dharma relevant erscheint:

        Und nach meiner Auffassung gehen auch Individualität und Anatta nur schlecht zusammen.

        So, der Buddha hatte keine Individualität?

        Es gibt keinen festen Wesenskern, keine feste Persönlichkeit aber sehr wohl eine Individualität basierend auf in Abhängigkeit entstandener Faktoren (zB Charaktereigenschaften), die eine relative Stabilität haben können (wiederum in Abhängigkeit). Z.B. Eigenschaften wie Sanftmut, freudige Tatkraft, Freundlichkeit, Großzügigkeit, Zufriedenheit, Wertschätzung etc. die dann als ein Phänomen und (relative) Individualität zusammengefasst (Teile zu einem Ganzen) und identifiziert werden können. Der Bodhisattva, der zum Buddha wurde, hatte eine ausgesprochen starke Willenskraft, diese ist Teil seiner Individualität oder seines Charakters oder seiner Persönlichkeit. Als der Bodhisattva zu einem Buddha erwachte, wurde diese Qualität (freudige Tatkraft) dann „vervollkommnet“.

        In bestimmten Gruppen wird der individuelle Narzissmus durch einen Gruppennarzissmus ersetzt. Dieser Vorgang ist aber kein Beleg dafür, dass die Realisation der Selbstlosigkeit und die Existenz von Individualität nicht zusammen gehen. Dein Beispiel (oder Deine Begründung) hat nichts mit der These zu tun. Dass die Realisation der Selbstlosigkeit und Individualität zusammen auftreten können, wird ja bereits anhand der unterschiedlichen Charakter der Schüler des Buddha deutlich. Diese Schüler unterscheiden sich, sie sind nicht alle gleich, sie haben die gleichen Einsichten der Selbstlosigkeit aber unterschiedlich individuelle (Charakter-)Züge oder Persönlichkeitsmerkmale, die sie voneinander unterscheiden.

        Ansonsten. Ich weiß nicht, wenn du frisch fröhlich alles mischst, buddhistische Konzepte mit Gottesfahrung etc., ob das klarem Denken förderlich ist. Vergleiche kann man sehr wohl machen, aber zuvor muss erst das, was verglichen werden soll, grundsätzlich verstanden haben.

        Gleichförmigkeit in der Gotteserfahrung,
        Anatta in der miteinander geteilten Stille.

        Sorry, das macht keinen Sinn. Gotteserfahrung ist etwas Individuelles, weil sie ein Individuum macht und sich die Erfahrungen offensichtlich unterscheiden. Konzentration führt zur Erfahrung von Stille im Bewusstsein, auch diese Stille ist eine individuelle Erfahrung und sie setzt keine Realisation oder Einsicht in die Selbstlosigkeit voraus.

        Wenn dich das mit den Fünf Arten der Weisheit eines Buddha interessieren sollte, hier ist eine ausführlichere Beschreibung: https://studybuddhism.com/de/fortgeschrittene-studien/die-wissenschaft-vom-geist/trainingsprogramme/ausgewogene-sensibilitaet-2-unsere-talente-freilegen/10-anwendung-der-fuenf-arten-tiefen-gewahrseins

  • 29. Juli 2018 um 16:28
    Permalink

    Ja, auf der einen Seite ist es etwas off-topic, auf der anderen Seite rührt es aber auch am Kern des Themas. – Und jetzt fügst Du auch noch als eine weitere persönliche Erfahrung ‚gaslightning‘ hinzu. – Da fragt man sich als zugeneigter, aber doch auch auf seine eigene Kritikfähigkeit vertrauender Leser, wie lange all diese Erfahrungen bei Dir her sind, wie tief Du weiterhin steckst in Deinem diesbezüglichen Lernprozeß.

    Und derartige Lernprozesse und die aus ihnen resultierenden Wege sind wahrlich individuell.

    Und ich fürchte, wir werden auch noch sehr lange alles, was wir erfahren und an Einsicht gewinnen, zunächst einmal auf uns, auf dieses erfahrende Ich beziehen.

    Abermals danke für den Link.

    Alles Liebe

    Stefan

    Post scriptum:

    Hat ein Buddha wirklich Individualität oder liegt diese eher im Auge des Betrachters begründet?

    Müßig darüber zu streiten, schon die Ausstrahlung eines weit vorangeschrittenen Menschen,
    hebt diesen von der Masse ab und macht ihn in gewisser Weise in höchstem Maße ‚individuell‘,
    auch und gerade weil diese Individualität aus der Quelle der Gleichförmigkeit gespeist wird.

    Noch post scriptum:

    Verschiedenste, individuell ausgeprägte Formen der ‚Gotteserfahrung‘ oder Erfahrung der ‚Stille‘ sind Durchgangsstationen des Weges.

    Sie sind aber zugleich auch allesamt Ausdruck der Zurückhaltung des Erfahrenden,
    Ausdruck dessen, daß es in ihm noch Fesseln gibt, die sein Bewußtsein daran hindern,
    in den Strom einzutreten.

    Und dies ist der Punkt, an dem meine Kritik ansetzt:

    Solange wir noch nach ‚Erlösung‘ auf verschiedenen Erkenntniswegen suchen,
    ist das ein Ausdruck dessen, daß wir noch nicht bereits sind,
    uns völlig hinzugeben und ‚durchlichten‘ zu lassen.

    Und bis zu diesem Zeitpunkt wird auch alles,
    was wir für Anatta halten,
    kaum mehr als ein Vorgeschmack auf das wahre Anatta sein.

    Antworten
    • 29. Juli 2018 um 16:51
      Permalink

      Ganz kurz: Dass an mir Gaslighting angewandt wurde, ist frisch. Ich konnte die Erfahrung erst nicht einordnen. Dann wies mich ein Freund darauf hin.

      Klar Individualität ist zugeschrieben in Abhängigkeit – so wie alle Phänomene.

      Klar auch, Erfahrungen sind nicht unbedingt Realisationen und erst die Realisation der endgültigen Realität (Selbstlosigkeit) im eigenen Bewusstsein ist das „wahre Anatta“ – alles andere Vorgeschmack bzw im besten Fall Ansammlungen von Weisheit hin zur Verwirklichung.

      Ein Punkt noch, auch wenn Erfahrungen individuell sind, können sie auf das selbe existente Phänomen verweisen. ZB ist die direkte Verwirklichung der Leerheit (shunyata, Selbstlosigkeit) individuell aber verweist in unterschiedlichen Individuen, die sie realisieren, auf den selben Fakt. Das selbe gilt für konventionelle Phänomene: die Erkenntnis, ob jemand tatsächlich gelogen hat oder nicht, wird individuell gemacht aber sie verweist auf einen Fakt, der so von allen betrachtenden Individuen, in Abhängigkeit verschiedener Faktoren, korrekt erkannt werden kann.

      Dir auch alles Liebe,
      T

      Antworten
      • 29. Juli 2018 um 17:54
        Permalink

        Hatte ich in einem meiner Kommentare schon einmal auf jene Predigt von Meister Eckhart (bei der ich die Eckhartkenner wohl ein wenig streiten, ob sie wirklich von ihm ist) hingewiesen: Jesus kam in ein Burgstädtchen und ward von einer Jungfrau empfangen, die ein Weib ward. (http://www.eckhart.de/index.htm?p2.htm).

        Gewissermaßen mittelhochdeutsches ZEN. – Wer auch immer sie gehalten hat, predigt über die jungfräulich empfangene Seele, die weibische, das Empfangene in die Welt hinausgebärende Seele, verschiedenste Emanationen ‚Gottes‘, Kräfte, die so stark sind, daß wir, wenn wir nur einmal mit ihnen in Berührung kommen, dafür jedes Leid der Welt ertragen würden – und er predigt nicht zuletzt über jene Burg in der Seele, jene Burg, in die selbst Gott nicht hineinzulugen vermag:

        „So eins und einfaltig ist dies »Bürglein« in der Seele, von dem ich spreche und das ich im Sinn habe, über alle Weise erhaben, daß jene edle Kraft, von der ich gesprochen habe, nicht würdig ist, daß sie je ein einziges Mal einen Augenblick in dies Bürglein hineinluge, und auch die andere Kraft, von der ich sprach, darin Gott glimmt und brennt mit all seinem Reichtum und mit all seiner Wonne, die wagt auch nimmermehr da hineinzulugen; so ganz eins und einfaltig ist dies Bürglein und so erhaben über alle Weise und alle Kräfte ist dies einige Eine, daß niemals eine Kraft oder eine Weise hineinzulugen vermag noch Gott selbst. In voller Wahrheit und so wahr Gott lebt: Gott selbst wird niemals nur einen Augenblick da hineinlugen und hat noch nie hineingelugt, soweit er in der Weise und »Eigenschaft« seiner Personen existiert. Dies ist leicht einzusehen, denn dieses einige Eine ist ohne Weise und ohne Eigenheit. Und drum: Soll Gott je darein lugen, so muß es ihn alle seine göttlichen Namen kosten und seine Personhafte Eigenheit; das muß er allzumal draußen lassen, soll er je darein lugen. Vielmehr, so wie er einfaltiges Eins ist, ohne alle Weise und Eigenheit, so ist er weder Vater noch Sohn noch Heiliger Geist in diesem Sinne und ist doch ein Etwas, das weder dies noch das ist.“

        Nirwana, offene Weite – nichts von heilig, in der Physik beschrieben als Nullleiter, das Alpha und das Omega, das Tao, der himmlische Weg…

        Oder wie auch immer wir es benennen wollen. – Alles was wir darüber sagen können, kann es nicht fassen, jeder Gedanke, der uns in der geistigen Schau anfällt, bekräftigt nur die Trennung.

        Wir leben mittlerweile im 21. Jhd., im sogenannten Kommunikationszeitalter, das nächste Zeitalter, so es ein goldenes wird, wird von der Kommunion bestimmt sein.

        Du hast bemängelt, daß ich fröhlich Dinge mit einander mische. – So wie Du Dich festgelegt hast, ein Mönch tibetischer Ausrichtung zu sein, habe ich mich irgendwann festgelegt, eine jede (Glas)Perle, über die ich stolpere, aufzunehmen und in meine Betrachtungen mit einzubauen.

        Im neuen Zeitalter, denke ich, verliert sich mehr und mehr der Sinn all jener getrennten Wege. – Zumal: Wenn alle Religionen und Philosophien in ihrem Kern doch nur auf jene eine unnambare Leerstelle verweisen, jenes Unkonditionierte, von Ewigkeit zu Ewigkeit Unerschaffene, so etwas wie die Prima Materia allen Geistes.

        Ich bin zutiefst davon überzeugt, daß es ein Unterschied ausmacht, ob wir diese getrennten Wege, die geradezu unweigerlich die Tendenz entwickeln, eigene geistige Felder (‚Egregoren‘) herauszubilden, weiterhin in ihrer Getrenntheit bestehen lassen wollen oder ob wir über unsere ureigenen Zugänge gelangen zu einer Basis einer gemeinsamen Spiritualität.

        Meines Erachtens nicht zuletzt mit Blick auf die immer schärfer werdende Islamdebatte ein äußerst wichtiges Thema.

  • 2. August 2018 um 09:39
    Permalink

    Kleine Ergänzung für Stefan zu Tenzin’s Bemerkung „Dass die Realisation der Selbstlosigkeit und Individualität zusammen auftreten können, wird ja bereits anhand der unterschiedlichen Charakter der Schüler des Buddha deutlich. Diese Schüler unterscheiden sich, sie sind nicht alle gleich, sie haben die gleichen Einsichten der Selbstlosigkeit aber unterschiedlich individuelle (Charakter-)Züge oder Persönlichkeitsmerkmale, die sie voneinander unterscheiden.“ – Ich mag sehr eine kleine Sutra, in der dies sehr schön herauskommt. Auf http://go.helms-net.de/txt/palikanon/index.htm habe ich einige meiner Lieblingssutras verlinkt und kurz ankommentiert. Die, die ich meine ist MN32, der letzte Eintrag auf meinem Nano-Index. (Ich will das hier nicht weiter explizieren, auf dieser Seite get es ja um etwas anderes) LG – Gottfried

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