Ole Nydahl hetzt, und die DBU schweigt

Lama Ole Nydahl, Gründer und Kopf der Diamantweg-Buddhismus-Bewegung, fällt seit Jahrzehnten durch rassistische Äußerungen auf. Nicht erst durch den gesellschaftspolitischen Diskurs zur Flüchtlingsfrage, der uns in den vergangenen Jahren und aktuell intensiv beschäftigt, erhalten diese Äußerungen besondere Brisanz. Es ist immerhin ein buddhistischer Lehrer, der sich so äußert. Und er tut es öffentlich, in Vorträgen vor Tausenden Leuten, in Interviews für Medien mit enormer Reichweite. Viele Gruppen in der Gesellschaft haben sich gegenüber diesem Thema längst deutlich abgegrenzt – gegen Hass und Hetze. Etwa die christlichen Kirchen in Deutschland. Nur die DBU, die Deutsche Buddhistische Union, sieht sich bisher nicht in der Lage, eindeutig gegen die rassistischen Ausfälle des Kopfs eines ihrer Mitgliedgemeinschaften Stellung zu beziehen.

Die Geschichte bedenklicher Äußerungen Nydahls ist lang. So bescheinigte bereits 1996 ein von der DBU erstelltes Gutachten Ole Nydahl rassistische und nationalistische Aussagen. Es sollen sich laut diesem Gutachten in seinem Buch „Über alle Grenzen“ unter anderem folgende Passagen befinden oder befunden haben:

Fragte ich Weiße über die Stellung der Schwarzen aus, so sagten sie, daß die Europäer zuerst in das Land gekommen seien, was wohl geschichtlich stimmt. (…) Außerdem gehe es den Schwarzen in Südafrika besser als irgendwo sonst, was man auch sehen könne. Einige sagten sogar, daß das größte Verbrechen des weißen Mannes den Farbigen gegenüber sei, ihnen Penizillin ohne Verhütungsmittel gegeben zu haben. Dadurch würde die Überbevölkerung in so schönen Ländern wie diesem immer schlimmer. (…) Weiße Hautfarbe bedeutet überall auf der Welt höheren Rang – auch wenn es wenige zu sagen wagen.

Die Frauen in Rußland haben durchschnittlich sechs Abtreibungen, und es müßte möglich sein, diese Kinder an westliche Familien zu vermitteln. (…) Da die Kinder genetisch gesehen eigentlich europäisch sind, würden sie in westlichen Leistungsgesellschaften mithalten können.

Lama Ole Nydahl
Lama Ole Nydahl | (CC BY-SA 2.0)

Aber blicken wir in die Zweitausenderjahre, in die jüngste Vergangenheit also: Anfang 2016 sitzt eine junge Frau vor dem Fernseher, um den Livestream des Deutschlandtreffens des Diamantweg-Buddhismus anzusehen. Ihr Freund, ein Nydahl-Anhänger, hat sie darum gebeten. Was sie sieht und hört, schildert sie später so:

Da wurde nach der Haltung des Lamas zu Flüchtlingen gefragt und was wir in Deutschland tun können. Ich habe es zunächst als Provokation verstanden und als unangemessenen Scherz, aber dieser Mann empfiehlt seinen Zuhörern tatsächlich die Partei ‚Alternative für Deutschland‘ zu wählen, da Frau Merkel ja (…) [aufgrund juristischer Angriffe Nydahls auf diverse Blogger, darf nicht zitiert werden, was die Zeugin noch erinnerte, gehört zu haben – dazu später mehr in diesem Artikel].

Schockiert von diesen fremdenfeindlichen Aussagen schreibt sie der DBU eine E-Mail und bittet den Rat und den Vorsitzenden des Rats Gunnar Gantzhorn: „Mich interessiert sehr, wie Sie (verschiedene Verantwortliche der Buddhisten im Deutschland) zu diesem Thema stehen. Wenn möglich, bitte ich um eine öffentliche Stellungnahme.“ Doch die Stellungnahme bleibt aus. Die Frau kann sich nicht erinnern, eine Antwort erhalten zu haben oder wenn, sei diese „nur kurz“ und nicht „nachhaltig“ gewesen.

Beim selben Treffen äußert Nydahl in einem Interview mit der Nordhessenrundschau unaufgefordert:

Und ich bin ja so froh, dass in unseren Gemeinden auch, dass immer wieder Leute Kinder kriegen, nech? Damit wir mit den fremden Einflüssen, die in unsere Länder kommen, nech, damit wir etwas haben, das demokratisch erzogen wurde, nech? Und worauf wir bauen können, nech? Würd‘ nicht sagen, von welcher Religion und welchem Volk ich rede, nech, aber das hier sind unsere, nech, die werden ein gutes Gegengewicht dazu sein.

Auf die nachfolgende Frage der Journalistin: „Was sagen Sie Ihren Schülern zu den Terroranschlägen, der jüngste in Brüssel?“, antwortet der Lama dann:

(…) Ein großes Problem, was wir uns da aufgehalst haben. Die Leute hätten einfach nur den Koran lesen müssen und verstehen müssen (…) dann hätten wir vielleicht nicht so viele über die Grenze geholt oder aus dem Wasser geholt sogar. (lacht)

Die Reaktion auf diese völlig undifferenzierte und menschenfeindliche Äußerung aus dem Munde eines buddhistischen Lehrers: tiefe Empörung. In zahlreichen Schreiben von DBU-Mitgliedern, darunter auch Dharma-Lehrer, werden der Rat der DBU und ihr erster Vorsitzender Gantzhorn aufgefordert, sich hier zu distanzieren oder einen eigenen Standpunkt zum Thema Flüchtlinge und das Verhältnis des Buddhismus zum Islam zu erarbeiten und zu kommunizieren. Nichts passiert.

In einer Klarstellung Nydahls heißt es später lapidar: „… daß ich keineswegs so verstanden werden möchte, als würde ich nicht Menschen aus Lebensgefahr retten oder sie gar ertrinken lassen wollen. (…) Ich bin Däne und bin mit meinem Deutsch anscheinend missverstanden worden.“ Wie er denn verstanden werden wollte, bleibt offen. Vor dem Hintergrund seiner rassistischen Äußerungen, die er seit Jahrzenten macht, ist seine Erklärung vollkommen unglaubwürdig.

Die Mitgliederversammlung der DBU im April 2016 sollte nun der Ort sein, an dem einige kritische Geister über die Entgleisungen Nydahls sprechen wollten. Man wünschte sich, dass der Rat der DBU öffentlich Stellung nimmt, sich von diesen skandalösen Äußerungen Nydals über Flüchtlinge distanziert und seine grundsätzliche Bereitschaft zu Toleranz und Dialog gegenüber Muslimen und dem Islam bestätigt. Es gehe letztlich aber auch um weit mehr als „nur“ um die Islamophobie bei Nydahl,

sondern um sein Polarisieren, um die Verächtlichmachung anderer – vor 20 Jahren waren ja auch Menschen aus Osteuropa, Sinti und Roma, sehr stark in seinem Fokus –, um eine mehr als fragwürdige, sicherlich nicht buddhistisch zu nennende ethische Haltung, um eine ebenfalls mehr als fragwürdige, sexistische Haltung Frauen gegenüber und um die Sektenstrukturen dieser Gruppierung,

stellt eine Teilnehmerin an der Mitgliederversammlung klar. Zu einer Debatte über all das kam es jedoch nicht. Die besagten kritischen Geister waren schlecht vorbereitet, es waren im Vorfeld keine Anträge zur Tagesordnung eingebracht worden, und es herrschte allgemein „ein großes Bedürfnis der meisten nach einer ‚harmonischen‘ Tagung“, so die Teilnehmerin weiter.

Beim Osterkurs des Diamantwegs 2017 ist Nydahl dann wieder in Bestform und parliert, die Muslime wollten den Frauen im Namen des Islam den Kitzler abschneiden. Alle Muslime, die da kämen, seien ungebildet. Syrer könne man eventuell schon einige ins Land lassen, Afghanen aber nicht. Eine Fragestellerin, die darauf hinweist, dass dies undifferenziert sei, und um Klärung bittet, wird lächerlich gemacht. Nydahl ordnet an, ihr das Mikrofon wegzunehmen.

Im Herbst 2017 fragte ein buddhistischer Mönch Gunnar Gantzhorn in einem Telefonat, warum die DBU nicht wenigstens eine allgemein gehaltene Stellungnahme zu den Themen Flüchtlinge und der Beziehung des Buddhismus zum Islam und Gewalt gegen Muslime abgeben wolle, wenn sie schon nicht explizit Aussagen Nydahls verurteilen will. Das sei zu arbeitsaufwendig und kompliziert, so die lakonische Antwort.

Im Januar 2018 wird der Lama vom Westdeutschen Rundfunkt interviewt. Nydahl sagt:

Wir mögen die Muslims überhaupt nicht. Also, was sie machen und das Ganze, all das Humorlose und die unterdrückten Frauen und die beschnittenen Frauen, nicht? Kein Klitoris und all das … was da passiert und all das, nicht? Das ist furchtbar.

Die brutale Vertreibung von Muslimen durch Buddhisten in Myanmar mochte er auch auf direktes Nachhaken des Moderators partout nicht verurteilen, stattdessen verteidigt er die Gewalttäter, sie seien auch nur Menschen und spricht davon, dass es „kräftig inszeniert ist wie von den Moslems“.

Einen Monat später findet in Hannover eine christlich-buddhistische Dialogtagung statt, eine Kooperation der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) und der DBU. Es sollte laut Einladung über die Frage gesprochen werden: „Was macht glücklich?“. Vonseiten der DBU ist auch ein Diamantwegvertreter und Schüler Nydahls aus Österreich mit dabei: Dr. Klaus Kaltenbrunner. Er wandte sich im Laufe des samstäglichen Podiumsgesprächs „Glück als Weltverantwortung“ mit der Forderung an die Christen, wieder „wehrhaft“ zu werden, „so wie sie es früher“ getan hätten. „Da waren sie [die Christen] besser als heute.“ Und er ergänzte, dass, wenn Worte nicht mehr nützen, man eben „kämpfen“ müsse. Es soll in diesem Zusammenhang ebenfalls der Begriff „Schwert“ gefallen sein. Auch wenn Kaltenbrunner explizit den Islam nicht erwähnte, war den Zuhörern klar, dass dies auf den Islam abzielte und eine Aufforderung zu Gewalt gegenüber Muslimen assoziierte. Drei Zuhörer widersprechen vehement. Darunter Zen-Meisterin Dagmar Doko Waskönig und Jörg Lindner, den deutsche Buddhisten als Teilnehmer der DBU-AG zur sprachlichen Überarbeitung des „Buddhistischen Bekenntnisses“ kennen. Lindner äußert sich unmittelbar nach Doko Waskönig: „Ich bin immer noch entsetzt und erschüttert über die angedeutete Aufforderung des Referenten Kaltenbrunner gegenüber Muslimen Gewalt anzuwenden.“ Gunnar Gantzhorn, erster Vorsitzender des Rats der DBU und Dr. Martin Ramstedt, in der DBU zuständig für den interreligiösen Dialog, sind ebenfalls zugegen. Sie widersprechen nicht.

Erst vor wenigen Tagen tauchte nun ein Foto Nydahls auf. Es stammt aus dem Jahr 2014 und zeigt den Vorstandsvorsitzenden der „Buddhismus Stiftung Diamantweg”, Ole Nydahl, wie er zusammen mit einem Vorstandsmitglied dieser Stiftung, Tomek Lehnert, den niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders trifft. Zu sehen ist, wie Lehnert Wilders die Hand schüttelt und Nydahl mit Demutsgeste eine Visitenkarte bereithält, wohl um sie Wilders zu überreichen. Mit auf dem Bild zwei weitere bekannte skandinavische Rechtspopulisten, Lars Hedegaard (3.v.l.) und Nicolai Sennels (hinter Wilders, blaues Hemd), Schüler von Nydahl und Anführer der dänischen Pegida.

Zu alldem schweigt die DBU bzw. der Rat der DBU beharrlich. Mehr noch. Der erste Vorsitzende und Sprecher des Rats, Gunnar Gantzhorn, ergreift Partei für den Diamantweg. Als sich der Diamantweg sein Europazentrum in Immenstadt im Allgäu baut, ignoriert er Bauvorschriften und Naturschutzauflagen. Man planiert widerrechtlich etwa 10.000 mGrund inmitten des Naturschutzgebiets. Dabei werden u. a. zwei Biotope vernichtet. Und statt der angekündigten und zunächst genehmigten maximal 2.000 Teilnehmer reisen heute zu Veranstaltungen ein Vielfaches an Nydahl-Anhängern an, sorgen für nächtliche Ruhestörungen sowie weitere Umweltschäden. Jan Weber, Rechtsanwalt und Geschäftsführer der ausführenden Diamantwegstiftung, soll im Zusammenhang mit dem Ausbau sinngemäß gesagt haben, dass man hier das mache, was der Diamantweg schon immer machen wollte. Verzweifelt wenden sich der Vorsitzende des örtlichen Naturschutzbunds sowie einige verstörte Anwohner per E-Mail an den ersten Vorsitzenden der DBU Gantzhorn. In seiner Antwortmail lobt Gunnar Gantzhorn lediglich die gelungene architektonische Leistung beim Ausbau, meint, dass die Probleme mit den Kursteilnehmern ja wohl nicht so schlimm seien, um dann zu Lobgesängen auf die Karma-Kagyü-Tradition überzugehen. Die Anwohner dürfen froh sein, dass im Europazentrum in Immenstadt auch mal ein Besuch des 17. Karmapa Trinley Thaye Dorje zu erwarten sei, was einem Papstbesuch gleichkäme. Es folgt dann noch eine offensive Verteidigung der Person und des Wirkens Ole Nydahls inkl. diffamierender Bemerkungen über Kritiker dieser buddhistischen Schulrichtung. Die erhoffte Hilfe von der DBU bleibt aus.

Während der Rat der DBU schweigt oder aktiv Nydahl und den Diamantweg gegen Kritik verteidigt, nimmt Rechtsanwalt Weber im Verlaufe des Jahres 2017 mehrere Blogger im Auftrag Nydahls juristisch aufs Korn. Er verklagt sie, weil sie Kritisches zu Nydahl oder der Diamantweg-Bewegung berichten – u.a. geht es um die Schilderungen der eingangs zitierten Frau. Unter den Angegriffenen ist ein buddhistischer Mönch. Der wendet sich nach Drängen anderer Buddhisten mit der Bitte um Vermittlung an den Rat der DBU. Der Rat hört hierzu aber offenbar nur einseitig dem Diamantweg zu, verbreitet tendenziöse Informationen und leitet vertrauliche Dokumente, die der Mönch dem Rat zur Verfügung gestellt hatte, an den Diamantweg weiter. Der Diamantweg verwendet diese später vor Gericht gegen den Mönch. Ein ungeheurer Vorgang. E-Mails an den Rat in dieser Sache werden bis heute nicht beantwortet.

Es ist ein deutliches Muster erkennbar: Die DBU grenzt sich nicht nur nicht von den Machenschaften des Diamantwegs ab. Sie ergreift – vor allem auch in Person des ersten Vorsitzenden Gantzhorn – einseitig Partei für eine mindestens rechtspopulistische Gruppe innerhalb der DBU, die neben ihrer zweifelhaften politischen Ausrichtung offenbar auch sonst nicht gewillt ist, sich an Regeln zu halten. Zu besichtigen in Immenstadt.

Ist es einfach Unprofessionalität und Überforderung der allesamt ehrenamtlich tätigen Räte der DBU? Oder hat der Diamantweg in der DBU bereits das Sagen? Das jedenfalls behauptet eine Diamantwegaussteigerin vor wenigen Tagen in einem Blog-Artikel. Sie unterstellt, die DBU sei „mitgehangen, mitgefangen“ bereits Teil eines rechtsextremistischen Netzwerks. Plötzlich ist die Aufregung groß. Aber mal ehrlich, wenn man sich jahrelang zu rechten Parolen aus den eigenen Reihen nicht abgrenzt, muss man sich nicht wundern, wenn man sich in der öffentlichen Wahrnehmung plötzlich in derselben Ecke wiederfindet, in der sich die Parolenschreier eingerichtet haben. Die unterstellte Verstrickung ist die direkte Folge des fortgesetzten Schweigens der DBU und der einseitigen Parteinahme für diese Schreihälse.

Ein Nydahl-Schüler unkte bereits in einem Kommentar auf dem Blog von „Ursache & Wirkung“:

In der DBU war das weitaus größte Mitgliedsteil, die Stiftung Diamantweg, lange wegen der klaren Islamkritik von Ole Nydahl isoliert. Seit zwei Jahren ist das nicht mehr so, denn die Berechtigung der Kritik, dass der Islam den Menschen nicht befreit, sondern unterwirft, wird mehr und mehr erkannt.

Die DBU will eine Körperschaft des öffentlichen Rechts werden, mitreden und sich bei gesellschaftlichen Themen mit buddhistischen Standpunkten einbringen. Hier haben wir große gesellschaftliche Themen. Doch die DBU schweigt und überlässt sie Nydahl, der auf seine Weise auf Fragen zu Flüchtlingen und dem Islam antwortet und auch gern ungefragt agitiert – abgesehen von den vielen Entgleisungen, die im vorliegenden Artikel nur angerissen werden konnten.

Der Buddhismus in Deutschland ist auf dem besten Weg, seinen Status als friedliche Religion zu verlieren. Ole Nydahl und andere Lehrer stellen für uns Buddhisten mittlerweile die größte Gefahr dar. Sie ruinieren das gutes Ansehen des Buddhismus im Westen. Dem können wir nur begegnen, wenn wir aufhören, Missstände in den eigenen Reihen totzuschweigen. Man erinnere sich an die katholische Kirche, die jahrelang genau das versucht hat. Im Ergebnis hat ihr dieses Vorgehen später umso mehr geschadet.

Was wünschen sich die Mitgliedsgemeinschaften und Einzelmitglieder von der DBU? Eine klare Abgrenzung zu Hass und Hetze oder Parteinahme für den Diamantweg?
Wollen die Mitgliedsgemeinschaften und Einzelmitglieder der DBU ihre politischen Ziele, wie etwa Mitsprache und Anerkennung der Buddhisten in der Gesellschaft verwirklichen, wollen sie das gute Ansehen des Buddhismus als friedliche Religion bewahren? Oder wird am Ende die DBU zu einem Kulturverein von NPD und AFD?

Gastbeitrag von Gustav Toomer
letzte Änderung: 22.04.18 | 22:11 Uhr

Material zu DBU – BUND Immenstadt – Buddhismus Stiftung Diamantweg (Europazentrum)
Hintergrundartikel
Standpunkt
Islamisch-buddhistischer Dialog

Update April 2018

Am 09.04.2018 sandte die Deutsche Buddhistische Union eine „Erklärung des Rates der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) zu umstrittenen Äußerungen von Lama Ole Nydahl“ an die DBU Mitgliedsgemeinschaften und ihre Delegierten. In dieser heißt es:

Der Rat der DBU hat in den vergangenen Wochen von verschiedenen Tatsachenbehauptungen und damit verbundenen Vorwürfen gegen Lama Ole Nydahl und den Buddhistischen Dachverband Diamantweg (BDD) Kenntnis erhalten, die sich auf öffentliche Äußerungen von Lama Ole Nydahl zu den Themen Zuwanderung und Islam und auf Kontakte zu rechten, fremdenfeindlichen Parteien beziehen.

Der Rat hat sich mit den hierzu entstandenen Fragestellungen auseinandergesetzt, einen Fragenkatalog zusammengestellt und dem BDD mit dem ausdrücklichen Wunsch nach einer Stellungnahme übergeben. Der BDD hat eine zeitnahe Beantwortung der Fragen zugesagt. Der Rat ist aktuell noch darum bemüht, sich ein Bild von der Situation machen, und bereitet eine Stellungnahme vor, die den DBU-Mitgliedsgemeinschaften und ihren Delegierten noch vor der MV zugesandt wird. Sofern eine Stellungnahme des BDD vor der MV vorliegt, wird auch diese versandt. Die Stellungnahmen des Rates und des BDD können dann die Grundlage für eine Aussprache auf der MV zu diesem Thema bilden.

Des Weiteren soll die allgemeine Verfahrensweise bei Beschwerden über Mitgliedsgemeinschaften oder deren Vertreter auf der MV diskutiert werden.

Der Rat wird zu den beiden oben genannten Punkten Änderungsanträge zur Tagesordnung der MV einbringen, um zu diesen Punkten auf der MV Beschlüsse fassen zu können.

Als Maxime des Handelns des Rates der DBU gilt uneingeschränkt: Die DBU steht als traditionsübergreifender Dachverband für die Vielfalt des Buddhismus in Deutschland. Die Mitglieder der DBU sind dem Grundgesetz, der Satzung, dem buddhistischen Bekenntnis und dem Leitbild der DBU verpflichtet.

Ole Nydahl hetzt, und die DBU schweigt

8 Gedanken zu „Ole Nydahl hetzt, und die DBU schweigt

  • 19. März 2018 um 14:29
    Permalink

    Bereits Anfang der 2000er Jahre war diese doch sehr undifferenzierte Auseinandersetzung mit dem Islam auf Veranstaltungen von Ole Nydahl höchst auffällig. Aber auf dieser Kennenlernveranstaltung, auf der ich seinerzeit war, war nicht nur das undifferenziert, auch die gemeinsame Abschlußmeditation wird mir in der Oberflächlichkeit ihrer Anleitung in Erinnerung bleiben…

    Undifferenziertheit hin, Undifferenziertheit her, für wichtiger als diese Debatte erachte ich eine kritische Auseinandersetzung mit dem Islam und eine Folgenabschätzung für die westliche Lebensweise und vor allem für die Lebensweise von gesellschaftlichen wie spirituellen Minderheiten.

    Ich fürchte, islamisch geprägte Mehrheitsgesellschaften werden eher dazu tendieren, ähnlich undifferenziert über Andersgläubige/Ungläubige zu urteilen wie Ohle Nydahl über sie.

    Und ich halte es für verfehlt (jenseits von O.N.) Vorbehalte gegen den Islam automatisiert mit Rassismus gleichzusetzen.

    Die wirklich drängende Frage ist meines Erachtens eher: Wie viel Toleranz wollen wir zugestehen der islamisch geprägten Intoleranz.

    Ich z.B. fühle mich sehr verbunden mit der islamischen Mystik und wir verdanken der islamischen Welt die Überlieferung sehr großer Teile des antiken Wissens und ich bewundere auch, welche Kraft dieses ganzheitliche (man könnte auch totalitäre sagen) Glaubenssystem auf Individuen und Gemeinschaften ausstrahlt, doch stelle ich ebenso fest: Es werden nicht wir sein, die den Muslimen den Weg in einen säkular geprägten, liberalen Islam weisen.

    Der liberale Islam mag unser Wunschbild sein, doch wie verzehrt dieses ist, zeigt sich doch allein schon an dem Zuspruch bzw. Widerstand, den islamische Glaubensgemeinschaften wie die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee erfahren (Frau Seyran Ates steht nicht erst seit gestern unter Polizeischutz).

    Und wie rasch ein laizistischer Staat (Türkei) kippen kann und welche Auswirkungen das dann zeitigt, bekommen wir ja nun täglich in Echtzeit vorgeführt.

    Antworten
    • 19. März 2018 um 14:46
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      Eine kritische Auseinandersetzung mit den verschiedenen Formen des Islam (aber auch des Buddhismus, der Religionen, selbst den Wissenschaften etc), die nicht auf Zerrbildern, Feindseligkeit und falschen Informationen beruht, ist auch aus meiner Sicht erwünscht und notwendig. Nur, das was Ole als »Islam-Kritik« absondert ist keine vernünftige Auseinandersetzung. Meiner Meinung nach schürt und bedient er antimuslimische Ressentiments. Alfred Weil sagte 1997, zu diesem Zeitpunkt Sprecher der Deutschen Buddhistischen Union:

      Wir müssen aber gestehen, daß es andere Aussagen Oles gibt, die wir (nach wie vor) nicht akzeptieren können. Dazu einige Stichworte: Was den Islam betrifft, stimmt Oles Auffassung einfach nicht mit den Tatsachen überein. Wer nur etwas differenziert hinschaut, wird den Unterschied zwischen der Religion des Islam und seiner fundamentalistischen und menschenverachtenden Fratze nicht übersehen … Man darf es sich gerade in einer Zeit der Fremdenfeindlichkeit nicht leisten, ein falsches Bild immer wieder nachzuzeichnen und damit dumpfe Ressentiments zu schüren.

      Meines Erachtens ist das Bedienen und Schüren von Ressentiments seitens Nydahls noch wesentlich stärker geworden.

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    • 23. März 2018 um 17:13
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      @Stefan: Ich weiss, was du meinst; die politisch korrekte Zensur der SJWs macht da vieles nur schlimmer, weil man sich da immer so belogen & manipuliert fühlt.
      Allerdings: Ich glaube wir haben da ein kulturelles, nicht religiöses Problem. Deswegen glaube ich nicht, dass Probleme mit primär islamisch geprägten Kontingenten von einer offenen Diskussion religiöser Inhalte zwischen Weltanschauungsvertretern profitieren, selbst intern. Da ist eben jeder mit seiner eignen kleinen Datenbank plus Gefühlen auf seinem eigenen Trip… Genauso wenig hilfreich wäre es die AfD zu verstehen zu suchen, in dem man ‚Mein Kampf‘ studiert.
      De fakto haben die meisten Religionen Schriftgut zur Grundlage, was dem ‚aufgeklärten Mitteleuropäer,‘ salopp gesagt, wie hanebüchener Schwachsinn vorkommt. Aber erst wenn sich frustrierte Kontingente innerhalb dieser Kulturgemeinschaften solche Sachen greifen & zur Axt machen, wird daraus potentiell ein Drama.
      Ergo ist es viel besser diese Sachen als kulturelle Herausforderungen zu betrachten, am besten als vorübergehende, zu einem guten Teil nachvollziehbare, bei denen ein Teil sehr großer, vielschichtiger Gruppen sich, meist für eine bestimmte Zeit, in eine Sorte Opposition zu gesellschaftlichen Werten begibt, die ‚Konflikt‘ auf die Stirn tätowiert haben. Kommt dann das erste Kind & eine mögliche Festanstellung, ist auch das wieder vorüber.
      Tendenziell hat sich eher bewährt, sich an die gut erreichbaren Leute innerhalb solcher fragilen Kulturgemeinschaften zu wenden – meist die, die man sowieso kennt oder mit denen man irgendwas gemeinsam hat, wie die Arbeit, und das Gemeinsame herauszustreichen, so wie auch die eigenen Anteile zu reflektieren. Konkreter: Die allermeisten Muslime in unseren Gesellschaften sind hier mit den normalen guten Absichten einer Jobsuche & entsprechenden Hoffnungen hergekommen. Diese Absicht zählt insofern unter ‚gut‘ als dass sie gewillt ist unter ungewohnten Bedingungen harte Arbeit für eine und in einer fremden Kultur zu leisten. Das ist eine einschüchternde, oft demütigende Situation mit zu vielen Herausforderungen gleichzeitig. ‚Der deutsche Staat‘ hat das nicht so erkannt – ok, der hat ja auch noch andere Sachen zu tun und das sind keine Wählerstimmen – & eine Weile lief das auch gut genug. Irgendwann ist dann aber Zahltag.
      Plötzlich sind da große Gruppen von Leuten mit viel Potential, die kategorisch von den Möglichkeiten dieser Gesellschaft ausgeschlossen sind und das jeden Tag abkriegen. Aber die haben eben andere Möglichkeiten.
      Das alles sind aber nur Anteile von einer Konditionierung, die hauptsächlich in bestimmten Lebensphasen und Konstellationen laut werden. Wie Frust ebenso ist.
      In vieler Hinsicht, für viele Menschen aus dem islamischen Kulturraum, ist ein ganz normales Leben in einer Gruppe von vielen in Deutschland nicht weiter weg als für die durch pädagogische Ideologien verkorksten Kinder ‚bildungsnaher Schichten‘. Familienbewusstsein, klassische Werte, wie Respekt oder echte Wertschätzung von Chancen, sowie die Großstadtkompetenzen des lateralen Denkens und dem breiten Erfahrungsspektrum zwischen verschiedenen Denkansätzen, sind zum Beispiel Vorteile dieser Gruppen. Islam ist dabei gerade so (un)wichtig, wie Christentum für Weihnachten. Das interessiert im Grunde kaum jemand; zur Not tut man mal eben schnell so.
      Das Wichtigste im Umgang mit kulturbedingt gewaltaffinen Gruppen ist es eine großflächige pro-militante/gegengesellschaftliche Solidarisierung unter ihnen zu verhindern. Das darf aber wirklich nicht passieren, denn da geht leicht für Generationen was kaputt. Dafür wiederum ist es das Wichtigste, dass die Meisten von denen erstens zu viel durch pro-Gewalt zu verlieren hätten. Zweitens, im Nachgang, dann noch, dass sie auch eher mit den Werten dieser Gesellschaft durch tatsächlich existierende menschliche Kontakte & Konditionierungen verbunden sind.
      Was den öffentlichen Raum angeht, so ist bzgl den verfehdeten Parteien also eher eine Nachbarschaftsleistung gefragt, als besonders reine Religion oder Politik. Die sind Privatsache. So sind wir zumindest mit Moslems über die letzten tausend Jahre in vielen Settings ganz gut, ich würde sogar sagen, meist zu gegenseitigem Gewinn, ok klargekommen. Und ebenso mit Leuten, die sich plötzlich als ‚rechts‘ einsortiert sehen, weil ihr Häuschen per Zufall neben einem Asylantenheim steht oder ihr Kind auf der Schule in Neukölln ist und nicht, wie die ‚Entscheidungsträger‘ irgendwo am Starnberger See.

      Antworten
  • 20. März 2018 um 12:01
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    Ich war drei Jahre lang in einem Zentrum des Diamantenwegs. Mir fiel schnell auf, dass Ole Nydahl jede Veranstaltung, an der ich teilnahm, nutzte, um sich gegen den Islam zu stellen. Auch bei Treffen von Diamantlehrern war der Islam Thema. Ich fand das traurig und völlig undifferenziert. Aus diesem Grund habe ich auch das Zentrum verlassen. Mir sind das zu viele negative Einflüsse, die nichts mit Liebe und Mitgefühl zu tun haben. Der Dalai Lama hat sich zu den Religionen eindeutig geäußert und das sollte unser Vorbild sein und nicht die DBU. Der Diamantwegbuddhismus von Ole Nydahl hat eine sehr große Macht. Nicht nur in Deutschland sondern in vielen Ländern der Welt. Das wird sehr professionell im Internet verbreitet. Interessiert man sich für den Buddhismus, sind überall die Verlinkungen ganz oben. Man kommt immer wieder zu den Zentren. Es ist viel Geld da, die Zentren sind toll ausgestattet und auch das zieht viele junge intellektuelle Leute an. Ich kann sagen, ist man drin, wird genau geschaut, wer die „Fähigkeiten“ besitzt. Das ist ganz subtil und man erkennt es an kleinen Dingen. Der Kreis bleibt unter sich. Er gibt wenig Alte oder Kranke. Es gibt auch keine wohltätige Aktivitäten. Schönheit spielt eine große Rolle, denn es ist ein gutes glückliches Zeichen. Man bleibt für sich und lässt sich nicht gerne reinschauen. Jungen Leuten gefällt die junge Gemeinschaft mit Partys und einiges an Alkohol.

    Antworten
    • 20. März 2018 um 17:10
      Permalink

      Danke für Ihren Beitrag.
      Es ist sehr wichtig, dass Menschen solche Erfahrungen und Beobachtungen teilen.

      Ich erlaube mir mal ausführlicher zu „antworten“, vor allem um ein paar Punkte tiefer anzubohren und die Diskussion zu erweitern.

      1) Marketing

      Eigentlich haben die kontroversesten buddhistischen Organisationen auch das beste Marketing, ob das die NKT, Triratna, Rigpa oder eben Diamantweg ist. Es liegt mE im Missionsgedanken begründet, spiegelt aber auch die Zurückhaltung seriöserer Gemeinschaften wieder nicht an „vorderster Front“ sein zu wollen. Bei einigen seriösen Zentren mag es auch am Mangel an Engagement, Einsicht in die Notwenigkeit oder Mangel an professionellen Strukturen liegen, in jedem Fall überlassen sie das Feld weitgehend dem Diamantweg und der Neuen Kadampa Tradition, die wiederum genau wissen, wie man gutes Marketing und SEO betreibt.

      Der Diamantweg ist zudem eher „aggressiv“ mit der Aquirierung von Domains und seinem Alleinvertretungsanspruch. Soweit mir bekannt, erzählte mir Herbert Rusche, hatte die DBU den BDD aufgefordert, die Domain http://www.buddhismus.de der DBU zu übergeben. Der BDD habe sich geweigert. Dann übergab eine Gruppe um Dagyab Rinpoche die Domain http://www.dharma.de der DBU, damit sie eine bessere Domain hatten. Nun haben sie http://www.buddhismus-deutschland.de Das Phänomen der aggressiven Domain Akquise habe ich hier beschrieben: https://info-buddhismus.de/lama_ole_nydahl.html#Internetauftritte

      Dort steht aber nicht alles. Die Inhaberin von http://www.buddhismus-potsdam.de habe mindestens 2x einen Anruf vom BDD erhalten, ihnen doch die Domain zu übergeben. Das finde ich schon ein starkes Stück – aber eben auch sehr beschreibend: aggressiv-grenzüberschreitend, den anderen eher perplex zurücklassend und dann eigene Ziele in der Desorientierung (dem Überrumpeltsein des anderen) durchsetzen – das scheint mir ein (Erfolg bringendes) Grundmuster zu sein. (siehe auch Beispiel Immenstadt).

      Die Tatsache, dass sich der BDD die große Mehrzahl relevanter Domains / Websites mit Buddhismus usw. gesichert und man dadurch ja unweigerlich beim Diamantweg landet, wenn man sich über Buddhismus online informieren will, wäre auch eine Sache, die die DBU angehen sollte. Es wäre ein Verhandlungspunkt mit dem Diamantweg, dass sie diese Domains freigeben. In Österreich, dort ist die Österreichische Buddhistische Religionsgemeinschaft (ÖBR) als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt – wo die DBU noch hin will – wurde beschlossen, dass keine Gruppe der ÖBR Domainnamen verwenden kann, die suggerieren, man würde eine ganze Tradition oder gar den Buddhismus vertreten. Das wurde auf der Basis buddhistischer Ethik, nämlich der Rechten Rede, die Wahrheit auszusprechen und nicht zu lügen oder zu täuschen, beschlossen. Der Diamantweg in Österreich soll die einzige Gruppe gewesen sein, die sich nicht daran hielt. Dann hat die ÖBR darauf bestanden, dann kam es zu Gerichtsverfahren und am Ende lenkte – kurz vor Ablauf eines Ultimatums zum Rausschmiss – der Diamantweg doch noch ein. (Mir liegen dazu etliche Unterlagen vor, zusammengefasst ist das hier: https://info-buddhismus.de/lama_ole_nydahl.html#Austria

      Die ÖBR hat das mE richtig gemacht. Der DBU fehlt soweit ich es sehe dazu leider im Moment Mut, Klarheit, Einsicht und Geradlinigkeit.

      2) Wer geht zum DW?

      Der Nydahl Schüler Burkhard Scherer beschreibt die Diamantweg-Bewegung als eine „lockere, aufgedreht-gesellige und manchmal recht hedonistisch anmutende Aufmachung des Tibetischen Buddhismus für eine vorwiegend privilegierte Gefolgschaft (= weiß, heterosexuell, körperlich ohne Behinderungen, körperlich normativ, junges bis mittleres Alter, der Mittelklasse angehörig)“

      https://info-buddhismus.de/lama_ole_nydahl.html#neo

      3) Intelligente Leute beim DW

      Das war für mich immer das größte Wunder. Erfolgreiche Leute aus dem Mittelstand, Anwälte, Ärzte, Journalisten etc. Es überrascht mich, weil auf inhaltlichem Niveau ist da scheinbar eher nicht besonders viel Intelligentes was angeboten wird. Hingegen findet man häufig intellektuell tief Fliegendes (2 Beispiele dazu nachfolgend – es gibt bei weitem mehr – interessantes Bsp hier). Es sind scheinbar eher Muster von identitätsstiftender Elitegruppe (mit Hang zum Stolz, Nationalismus und Herabblicken auf alles andere), fokussiert auf einen charismatischen Macho-Guru, zusammengeschweißt durch ein (mehr oder weniger) gemeinsames Feindbild (Islam, Flüchtlinge), die den Zusammenhalt zu formen scheinen. Andererseits, Ole ist authentisch im Sinne, dass er meist zu sprechen scheint, was er denkt. Für ein „verbogenes“ Mittelklasse-Publikum (Menschen, die mit political correctness erzogen wurden und immer aufpassen müssen was sie sagen) mag dieser „Mut“ eben zu sagen was man denkt, eine Art heilenden Effekt zu haben. (Gut, ist natürlich komplexer, aber nach einem Gespräch mit einer Anhängerin aus der Mittelklasse und mit guter Ausbildung erschien mir das einer der vielen Motive zu sein, die anziehend oder auch bis zu einem gewissen Grade „heilend“ wirken können.)

      3.1. Lehrinhalte Beispiel Karma:

      https://www.lama-ole-nydahl.de/fragen/?tag=karma_allgemein

      Dort heißt es: „Weil diese Sichtweise das ganze Drama rausnimmt und weil Buddha kein strafender, richtender, urteilender oder schöpfender Gott ist, ist der Buddhismus sehr entspannt auf der Ebene der Ethik.“

      Hossa, stimmt so nicht. Buddha war ziemlich klar in Bezug auf Ethik. Da kann ich endlos viele Zitate zu geben. Die Behauptung von Nydahl Buddha sei entspannt gewesen mit der Ethik, lässt sich hingegen nicht belegen! Gerade weil Handlungen Folgen haben, ist es so wichtig auf Handlungen zu achten, daher hat der Buddha Ethik sehr betont! Sie wurde wieder und wieder als die Grundlage allen spirituellen Wachstums beschrieben, aber klar, man soll auch nicht fanatisch an ihr kleben, aber eben auch nicht nachlässig sein …

      Zudem ist es subtil herabsetzend gegenüber an Gott Glaubende und erhöhend der eigenen Religion gegenüber was er da von sich gibt, finde ich: ach die Uncoolen dort, wir sind ja so viel entspannter (und besser).

      Dort heißt es auch:

      „Was für einen Körper man bekommt: Einen glück- oder einen leidbringenden.
      In was für ein Land man geboren wird: In ein furchtbares, wie es viele gibt in der dritten Welt, Afrika, Teilen von Asien, usw. oder in ein angenehmes wie in Nordeuropa oder Nordamerika.“

      Wow! Das muss man sich mal auf dem Geist zergehen lassen!
      Das ist nicht was der Buddhismus sagt. Afrika ist kein aus sich heraus „glück- oder ein leidbringendes“ Land noch Deutschland, Dänemark etc. Menschen können sehr unglücklich in dem einen oder anderen, sehr arm oder reich in dem ein oder anderen, Zugang zu Spiritualität in dem ein oder anderen Land haben. Hier ist der Dharma mit Schwarz-weiß-Bildern, Zerrbildern, wenn nicht Rassismus gefärbt.

      Diese Behauptung scheint zudem einen polarisierenden und nationalistischen Touch zu haben. Es gibt genauso in Asien oder Afrika glückbringende Menschengeburten.

      3.2. Lehrinhalte Beispiel Frauen:

      In „Fragen an den Lama« antwortet Nydahl auf die Frage »Ist der Entwicklungsweg zur Erleuchtung für Frauen und Männer gleich?“ u.a.:

      „Wenn man den gesamten Weg sieht, ist es so, dass Frauen den leichteren Einstieg haben, da die meisten Lehrer heute Männer sind. Das muss aber in Zukunft nicht mehr so sein. Heute können sich die Frauen in den Lehrer verlieben und dadurch, dass sie dann völlig auf ihn ausgerichtet sind, viel aufnehmen und sich schnell entwickeln. Männer dagegen müssen zunächst den anderen genau prüfen. Da ist immer ein bisschen Konkurrenz dabei. Daher ist es für Männer am Anfang schwieriger. Außerdem haben die Frauen aufgrund ihrer gebenden, weichen Art einen Vorteil, während Männer häufig Aggressionen zeigen und andere schützen müssen. Zu irgendeiner Zeit sind bei den Frauen allerdings immer noch ganz feine Anhaftungen geblieben – vielleicht an Mann, Kind; Familie etc. Der Mann, der immer ein bisschen Kind bleibt, immer spielerisch bleibt, kommt daher am Ende gut durch, da er besser loslassen kann.“

      http://www.lama-ole-nydahl.de/fragen/

      Wie kann denn so etwas eine halbwegs intelligente Person befriedigen?
      Wäre ’ne Fleiß-Forschung für sich, das alles zu eruieren…

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  • 25. März 2018 um 12:12
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    Es reicht! Es reicht zwar schon lange, aber jetzt muss endlich etwas geschehen. Von den Medien wird Nydahl als Vertreter des Buddhismus wahrgenommen, auch weil seine Organisation Mitglied der DBU ist. Damit muss Schluss sein. Jedem ernsthaft praktizierenden Buddhisten (und jedem einigermaßen klar denkenden Menschen) ist bewusst, dass Nydahls Äußerungen mit buddhistischem Denken und buddhistischer Praxis absolut nichts zu tun haben. Ganz zu schweigen von dem mangelnden Respekt vor anderen Gruppen und der Tradition, wenn Hannah Nydahl in der Werbung für den als „Doku“ getarnten Propagandastreifen als „Mutter des Buddhismus“ tituliert wird.

    Antworten
    • 10. April 2018 um 00:50
      Permalink

      Hi Bernhard, die DBU reagierte nun. Siehe Abschnitt am Ende des Postes unter »Update April 2018«.

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  • Pingback: Lama Ole Nydahl: »Nehmt ihr das Mikrofon weg!« – Kritisches Nachfragen nicht erwünscht – Buddhismus auf Abwegen

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