Updates: »Machtmissbrauch und Buddhismus« | Juristische Verfahren gegen Nydahl-kritische Blogger | Doku Hannah Nydahl

Am Sonntag, den 19.11.2017 fand im Hamburg im Rahmen der Reihe »Machtmissbrauch und Buddhismus« der Impulsvortrag von Prof. Dr. Steffen Döll, »Lehrerautorität versus Textautorität – Chancen und Gefahren« mit anschließender Podiumsdiskussion zum Thema Machtmissbrauch im SGI¹ Kulturzentrum statt. Mit ca. 120 Teilnehmenden war die Veranstaltung sehr gut besucht.

Die Reihe »Machtmissbrauch und Buddhismus« wird von der Buddhistischen Religionsgemeinschaft Hamburg (BRH), Buddha-Talk, dem Numata-Zentrum für Buddhismuskunde, der Akademie der Weltreligionen und der Universität Hamburg getragen.

Einen Beitrag über die Veranstaltung veröffentlichte der Deutschlandfunk »Blind für die eigenen Fehler« – der Beitrag kann hier angehört werden.

Auch wenn (bekennende) Betroffene von Machtmissbrauch nicht auf dem Podium saßen, ziehen Religionswissenschaftlerin und Journalistin Mechthild Klein sowie einige Teilnehmer ein positives Fazit über die Veranstaltung.

Die Diskussionsrunde sei ein positiver Anfang gewesen. Ursula Richard – Chefredakteurin von Buddhismus aktuell – ging auch auf Mittäterschaft und Komplizentum ein. Es habe Gutes, Weiterführendes und Erschütterndes gegeben. Es waren verschiedene Stimmen auf dem Panel vertreten.

Der Materialdienst 11/2017 der EZW hat einen meines Erachtens sehr informativen und lesenswerten Artikel von Dr. Friedmann Eißler veröffentlicht, der unter dem Gesichtspunkt der Lehrer-Schüler-Beziehung zusammenfasst, was drei bedeutende und von Sogyal Rinpoche hochgeschätzte tibetisch-buddhistische Lehrer – S.H. der Dalai Lama, Mingyur Rinpoche und Dzongsar Khyentse Rinpoche – zu den gegen Sogyal Rinpoche vorgebrachten Vorwürfen äußerten. Der Beitrag kann als PDF online abgerufen werden:

Das österreichische Magazin Datum veröffentlichte eine Recherche der Tibetologin und Journalistin Anna Sawerthal zum Thema »Machtmissbrauch im Buddhismus« unter dem Titel »Auch Du Buddha?«. Der Beitrag kann derzeit leider nicht in Deutsch online abgerufen werden.² In Englisch steht jedoch eine leicht geänderte Version auf www.info-buddhism.com zur Verfügung:

Den Artikel finde ich sehr gelungen, weil er einerseits das Leid der Betroffenen – hier besonders zweier missbrauchter Kinder des Ogyen Kunzang Choling (OKC) Kultes Robert Spatz’ – in den Mittelpunkt stellt und die mittlerweile Erwachsenen ausführlich zu Wort kommen lässt. Andererseits beleuchtet der Beitrag aber auch Hintergründe und beitragende Ursachen für Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt im Buddhismus.

© Trueffelpix

Das Stimme-Geben für Betroffene von Machtmissbrauch und sexueller Gewalt ist meines Erachtens leider eine seltene Ausnahme. Berichte über Machtmissbrauch beinhalten in der Regel ausführliche Darstellungen über den / die Täter und dessen Umfeld und ganz selten über das Leid der Betroffenen. Betroffene werden kaum gehört, erhalten kaum oder selten Raum oder Unterstützung oder eine Verstärkung ihrer Stimme. Mitunter wird ihnen – bewusst oder unbewusst – dieser Raum sogar noch genommen. So hört man z.B. von den Rigpa-Offiziellen so gut wie gar nichts über Leid der durch Sogyal Rinpoche Geschädigten. Mitunter wird das Leid Betroffener sogar aktiv missachtet (»es sind doch alles nur Anschuldigungen!«) bzw. der Raum, der den Betroffenen eigentlich gegeben werden sollte – Rigpa propagiert ja in anderen Zusammenhängen »deep listening« – wird durch eigene Trauergefühle, Schockgefühle, Emotionen oder Sogyal Rinpoche’s annoncierte Krebs-Krankheit – samt Aufforderung nun bitte doch endlich die Samayas einzuhalten (=bitte keine Kritik mehr) – okkupiert. Die Gruppe der 8unter ihnen Betroffene von physischer Gewalt und sexueller Nötigung –, die langjährigen Missbrauch in Rigpa öffentlich machten, schreibt, sie wurden bisher nicht von Rigpa kontaktiert und zu ihren Erfahrungen und Wissen befragt.

Am Donnerstag den 9.11.17, fand am Landgericht Mannheim ein Verfahren gegen Blogger Babak T. statt. Es ging dabei um Zitierungen in einem Blogbeitrag zu Äußerungen Ole Nydahls beim »Osterkurs« 2017 in Kassel. Für diesen Fall wurde ein Streitwert von 50.000€ von Jan Weber, Nydahls Anwalt sowie Geschäftsführer der »Buddhismus Stiftung Diamantweg«³, angesetzt. Der Blogger hatte vor dem Verfahren eine einstweilige Verfügung erhalten.

Rechtsanwalt Markus Kompa, der Blogger Babak T. vor Gericht vertrat, schreibt auf seinem Blog zu diesem Fall u.a.:

In einem Verfügungsverfahren vor dem Landgericht Mannheim hatte Nydahls Anwalt neulich einen Videomitschnitt der diesjährigen Rede vom „Osterkurs“ in Kassel vorgelegt, auf dem ihm nachgesagte Äußerungen angeblich nicht enthalten seien. Rein zufällig war das Ende leider weggeschnitten. Eine Zeugin hatte den Schluss der Rede jedoch mit einem Handy gefilmt, so dass wir darlegen konnten, was der gute Mann denn tatsächlich gesagt hatte.

Der Fall endete mit einem Vergleich.

Der vorsitzende Richter habe, und das lässt künftige Kostenexplosionen vermuten, sinngemäß gesagt, dass es dem klagenden Anwalt überlassen sei, die finanzielle Höhe der Rufschädigung festzulegen. Sie könne theoretisch auch auf 100.000€ pro strittiger Äußerung festgesetzt werden, statt wie bisher auf 10.000€.⁴ Er solle aber ein wenig aufpassen, was man sagt. Jan Weber soll darauf sinngemäß bemerkt haben, dass da nichts zu machen sei, der (Nydahl) würde reden, wie ihm der Schnabel gewachsen sei.

Äußerungen wie »Muslime schneiden Frauen im Namen des Islam den Kitzler ab« oder »Syrer kann man schon einige reinlassen, Afghanen aber nicht« sind nicht abgemahnt worden, da sie tatsächlich so gefallen sind.

Der verklagte Blogger teilte mit, dass ihm für die Zukunft die Verwendung indirekter Rede, die Vermeidung von Anführungszeichen, die Nutzung des Wörtchens ›sinngemäß‹ und ähnlicher stilistischer Mittel, möglichst alle gleichzeitig, sehr empfohlen worden wäre – falls er noch einmal über Nydahls Äußerungen schreiben wolle.

Juristisch ist der Diamantweg bzw. Ole Nydahl auch gegen andere Blogger aktiv. So liegen derzeit einstweilige Verfügungen gegen Prof. Dr. Peter Riedl (Ursache und Wirkung), der die Erinnerungen an das Gehörte einer Zuhörerin vom Deutschlandtreffen 2016 zitierte, und gegen mich (Tenzin Peljor) vor, der diese Zitierung vom Ursache und Wirkungs-Blog für einen Artikel auf www.info-buddhismus.de in Hochkomma wiedergab. Für die Wiedergabe der Aussage der Zuhörerin meinerseits wurden indirekte Rede und der Konjunktiv verwendet. Zusätzlich wurde hinzugefügt, dass die Aussage von nur einer Zuhörerin stammt. Die Hochkommata wurden durch mich gesetzt, um klar zu machen, dass das so auf dem zitierten Blog steht. Aus den Hochkommata leitet Jan Weber jedoch ab, die Passage würde Nydahl (und nicht den Blog / die Zuhörerin) wörtlich wiedergeben (ein »wörtliches Zitat« läge auf der Hand) und da Ole Nydahl es so nicht wörtlich gesagt habe, habe ich ein »unrichtiges Zitat verbreitet und eine unwahre Tatsachenbehauptung aufgestellt«. Zudem würde es dem Antragsteller (Nydahl) »nicht gerecht« und sei »ehrabschneidend«.

In allen drei Fällen wurden durch Jan Weber einstweilige Verfügungen und ein Streitwert von jeweils 50.000€ am Landgericht Mannheim durchgesetzt. Ein Medienanwalt sagte mir, dass man mit einem Streitwert von 50.000€ der Gegenpartei schwer schaden könne und das Ganze vor Gericht schnell finanziell eskalieren kann. Aus meiner Sicht geht es in allen drei Fällen um wenige Kleinigkeiten (oder juristische Feinheiten) und der Eindruck entsteht, es geht grundsätzlich um die Einschüchterung (oder das mundtot machen) von Kritikern. Diese Meinung vertreten mittlerweile mehrere Beobachter. Ein Führungsmitglied des Diamantwegs schrieb einem Freund von mir, man wolle mir »eine blutige Nase schlagen« (»to give a bloody nose to T.P.«). Blogger Matthias Steingass, der beim Verfahren am 9.11. als Zuschauer anwesend war, kommentiert:

Oder nehmen wir die Jagd die ein gewisser Jan Weber nun auf zum Teil ziemlich mittellose Blogger wegen irgendwelcher Lappalien veranstaltet. Weber ist Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Buddhismus Stiftung Diamantweg. In solcher Funktion verfolgt er nun Blogger wegen reichlich marginaler Verstösse in Sachen korrektes Zitieren und Copyright. Da werden z.B. fälschlich gesetzte Anführungszeichen dazu genutzt, dem unvorsichtigen Blogger eine Strafe von etlichen tausend Euro reinzuwürgen.

Am 18.11.17 veröffentlichte der Feministen-Blog Die Störenfriedas eine Filmbesprechung des im Januar in die deutschen Kinos kommenden Dokumentarfilms »Hannah – ein buddhistischer Weg zur Freiheit«.

Die im Jahr 2014 in England produzierte Dokumentation berichtet über das Leben der Dänin Hannah Nydahl, die im Jahr 2007 an Krebs verstorbene Ehefrau Ole Nydahls. Die Filmrezension betont u.a. die vielen Qualitäten Hannah Nydahls. »Hannah Nydahls Porträt« sei »gelungen und einfühlsam, immer wieder staunt man beim Zusehen über den unerschütterlichen Mut dieser Frau, die nie traurig oder angestrengt wirkt«. Allerdings wird u.a. auch kritisiert, dass man den Film 10 Jahre nach ihrem Tod und so wie er gemacht wurde »ohne Schwierigkeit als geschickte PR erkennen kann«. Er sei »eine einzigartige PR-Show für Ole Nydahl« und hinterlasse »deshalb einen bitteren Nachgeschmack«.


¹ Die SGI selbst wird durchaus auch kontrovers diskutiert.
² Die Recherche wird in deutscher Sprache und leicht geänderter Fassung im Dezember 2017 auf www.info-buddhismus.de online verfügbar sein.
³ Die Vermögensaufstellung und Ergebnisrechnung der »Buddhismus Stiftung Diamantweg« weist für 2015 ein Vermögen von 28 Mio. Euro an Grund und Boden sowie 2,26 Mio. Euro Jahresgewinn bei nur knapp 6.000€ Ausgaben für Mitarbeiter inklusive Sozialversicherung und Altersvorsorge aus.
⁴ Bei Babak T. ging es um 5 strittige Punkte á 10.000€ = 50.000€.

Die Äußerungen zitierter Personen geben deren eigene Auffassung wieder. Der Blog-Betreiber macht sich diese Äußerungen nicht zu eigen.

Zuletzt geändert: 13.12.17  12:33 Uhr

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