Updates: »Machtmissbrauch und Buddhismus« | Juristische Verfahren gegen Nydahl-kritische Blogger | Doku Hannah Nydahl

Am Sonntag, den 19.11.2017 fand im Hamburg im Rahmen der Reihe »Machtmissbrauch und Buddhismus« der Impulsvortrag von Prof. Dr. Steffen Döll, »Lehrerautorität versus Textautorität – Chancen und Gefahren« mit anschließender Podiumsdiskussion zum Thema Machtmissbrauch im SGI¹ Kulturzentrum statt. Mit ca. 120 Teilnehmenden war die Veranstaltung sehr gut besucht.

Die Reihe »Machtmissbrauch und Buddhismus« wird von der Buddhistischen Religionsgemeinschaft Hamburg (BRH), Buddha-Talk, dem Numata-Zentrum für Buddhismuskunde, der Akademie der Weltreligionen und der Universität Hamburg getragen.

Einen Beitrag über die Veranstaltung veröffentlichte der Deutschlandfunk »Blind für die eigenen Fehler« – der Beitrag kann hier angehört werden.

Auch wenn (bekennende) Betroffene von Machtmissbrauch nicht auf dem Podium saßen, ziehen Religionswissenschaftlerin und Journalistin Mechthild Klein sowie einige Teilnehmer ein positives Fazit über die Veranstaltung.

Die Diskussionsrunde sei ein positiver Anfang gewesen. Ursula Richard – Chefredakteurin von Buddhismus aktuell – ging auch auf Mittäterschaft und Komplizentum ein. Es habe Gutes, Weiterführendes und Erschütterndes gegeben. Es waren verschiedene Stimmen auf dem Panel vertreten.

Der Materialdienst 11/2017 der EZW hat einen meines Erachtens sehr informativen und lesenswerten Artikel von Dr. Friedmann Eißler veröffentlicht, der unter dem Gesichtspunkt der Lehrer-Schüler-Beziehung zusammenfasst, was drei bedeutende und von Sogyal Rinpoche hochgeschätzte tibetisch-buddhistische Lehrer – S.H. der Dalai Lama, Mingyur Rinpoche und Dzongsar Khyentse Rinpoche – zu den gegen Sogyal Rinpoche vorgebrachten Vorwürfen äußerten. Der Beitrag kann als PDF online abgerufen werden:

Das österreichische Magazin Datum veröffentlichte eine Recherche der Tibetologin und Journalistin Anna Sawerthal zum Thema »Machtmissbrauch im Buddhismus« unter dem Titel »Auch Du Buddha?«. Der Beitrag kann derzeit leider nicht in Deutsch online abgerufen werden.² In Englisch steht jedoch eine leicht geänderte Version auf www.info-buddhism.com zur Verfügung:

Den Artikel finde ich sehr gelungen, weil er einerseits das Leid der Betroffenen – hier besonders zweier missbrauchter Kinder des Ogyen Kunzang Choling (OKC) Kultes Robert Spatz’ – in den Mittelpunkt stellt und die mittlerweile Erwachsenen ausführlich zu Wort kommen lässt. Andererseits beleuchtet der Beitrag aber auch Hintergründe und beitragende Ursachen für Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt im Buddhismus.

© Trueffelpix

Das Stimme-Geben für Betroffene von Machtmissbrauch und sexueller Gewalt ist meines Erachtens leider eine seltene Ausnahme. Berichte über Machtmissbrauch beinhalten in der Regel ausführliche Darstellungen über den / die Täter und dessen Umfeld und ganz selten über das Leid der Betroffenen. Betroffene werden kaum gehört, erhalten kaum oder selten Raum oder Unterstützung oder eine Verstärkung ihrer Stimme. Mitunter wird ihnen – bewusst oder unbewusst – dieser Raum sogar noch genommen. So hört man z.B. von den Rigpa-Offiziellen so gut wie gar nichts über Leid der durch Sogyal Rinpoche Geschädigten. Mitunter wird das Leid Betroffener sogar aktiv missachtet (»es sind doch alles nur Anschuldigungen!«) bzw. der Raum, der den Betroffenen eigentlich gegeben werden sollte – Rigpa propagiert ja in anderen Zusammenhängen »deep listening« – wird durch eigene Trauergefühle, Schockgefühle, Emotionen oder Sogyal Rinpoche’s annoncierte Krebs-Krankheit – samt Aufforderung nun bitte doch endlich die Samayas einzuhalten (=bitte keine Kritik mehr) – okkupiert. Die Gruppe der 8unter ihnen Betroffene von physischer Gewalt und sexueller Nötigung –, die langjährigen Missbrauch in Rigpa öffentlich machten, schreibt, sie wurden bisher nicht von Rigpa kontaktiert und zu ihren Erfahrungen und Wissen befragt.

Am Donnerstag den 9.11.17, fand am Landgericht Mannheim ein Verfahren gegen Blogger Babak T. statt. Es ging dabei um Zitierungen in einem Blogbeitrag zu Äußerungen Ole Nydahls beim »Osterkurs« 2017 in Kassel. Für diesen Fall wurde ein Streitwert von 50.000€ von Jan Weber, Nydahls Anwalt sowie Geschäftsführer der »Buddhismus Stiftung Diamantweg«³, angesetzt. Der Blogger hatte vor dem Verfahren eine einstweilige Verfügung erhalten.

Der Fall endete mit einem Vergleich. Laut Rechtsanwalt Markus Kompa, der Blogger Babak T. vor Gericht vertrat, sei in der Sache ein Vergleich geschlossen worden, weil das Gericht zugespitzte Äußerungen als wörtliche Zitate gewertet habe.

Der vorsitzende Richter habe, und das lässt künftige Kostenexplosionen vermuten, sinngemäß gesagt, dass es dem klagenden Anwalt überlassen sei, die finanzielle Höhe der Rufschädigung festzulegen. Sie könne theoretisch auch auf 100.000€ pro strittiger Äußerung festgesetzt werden, statt wie bisher auf 10.000€.⁴ Er solle aber ein wenig aufpassen, was man sagt. Jan Weber soll darauf sinngemäß bemerkt haben, dass da nichts zu machen sei, der (Nydahl) würde reden, wie ihm der Schnabel gewachsen sei.

Äußerungen wie »Muslime schneiden Frauen im Namen des Islam den Kitzler ab« oder »Syrer kann man schon einige reinlassen, Afghanen aber nicht« sind nicht abgemahnt worden, da sie tatsächlich so gefallen sind. Einige Details finden sich im nachfolgenden Blogeintrag von Medienanwalt Markus Kompa:

Der verklagte Blogger teilte mit, dass ihm für die Zukunft die Verwendung indirekter Rede, die Vermeidung von Anführungszeichen, die Nutzung des Wörtchens ›sinngemäß‹ und ähnlicher stilistischer Mittel, möglichst alle gleichzeitig, sehr empfohlen worden wäre – falls er noch einmal über Nydahls Äußerungen schreiben wolle.

Juristisch ist der Diamantweg bzw. Ole Nydahl auch gegen andere Blogger aktiv. So liegen derzeit einstweilige Verfügungen gegen Prof. Dr. Peter Riedl (Ursache und Wirkung), der die Erinnerungen an das Gehörte einer Zuhörerin vom Deutschlandtreffen 2016 zitierte, und gegen mich (Tenzin Peljor) vor, der diese Zitierung vom Ursache und Wirkungs-Blog für einen Artikel auf www.info-buddhismus.de in Hochkomma wiedergab. Für die Wiedergabe der Aussage der Zuhörerin meinerseits wurden indirekte Rede und der Konjunktiv verwendet. Zusätzlich wurde hinzugefügt, dass die Aussage von nur einer Zuhörerin stammt. Die Hochkommata wurden durch mich gesetzt, um klar zu machen, dass das so auf dem zitierten Blog steht. Aus den Hochkommata leitet Jan Weber jedoch ab, die Passage würde Nydahl (und nicht den Blog / die Zuhörerin) wörtlich wiedergeben (ein »wörtliches Zitat« läge auf der Hand) und da Ole Nydahl es so nicht wörtlich gesagt habe, habe ich ein »unrichtiges Zitat verbreitet und eine unwahre Tatsachenbehauptung aufgestellt«. Zudem würde es dem Antragsteller (Nydahl) »nicht gerecht« und sei »ehrabschneidend«.

In allen drei Fällen wurden durch Jan Weber einstweilige Verfügungen und ein Streitwert von jeweils 50.000€ am Landgericht Mannheim durchgesetzt. Ein Medienanwalt sagte mir, dass man mit einem Streitwert von 50.000€ der Gegenpartei schwer schaden könne und das Ganze vor Gericht schnell finanziell eskalieren kann. Aus meiner Sicht geht es in allen drei Fällen um wenige Kleinigkeiten (oder juristische Feinheiten) und der Eindruck entsteht, es geht grundsätzlich um die Einschüchterung (oder das mundtot machen) von Kritikern. Diese Meinung vertreten mittlerweile mehrere Beobachter. Ein Führungsmitglied des Diamantwegs schrieb einem Freund von mir, man wolle mir »eine blutige Nase schlagen« (»to give a bloody nose to T.P.«). Blogger Matthias Steingass, der beim Verfahren am 9.11. als Zuschauer anwesend war, kommentiert:

Oder nehmen wir die Jagd die ein gewisser Jan Weber nun auf zum Teil ziemlich mittellose Blogger wegen irgendwelcher Lappalien veranstaltet. Weber ist Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Buddhismus Stiftung Diamantweg. In solcher Funktion verfolgt er nun Blogger wegen reichlich marginaler Verstösse in Sachen korrektes Zitieren und Copyright. Da werden z.B. fälschlich gesetzte Anführungszeichen dazu genutzt, dem unvorsichtigen Blogger eine Strafe von etlichen tausend Euro reinzuwürgen.

Am 18.11.17 veröffentlichte der Feministen-Blog Die Störenfriedas eine Filmbesprechung des im Januar in die deutschen Kinos kommenden Dokumentarfilms »Hannah – ein buddhistischer Weg zur Freiheit«.

Die im Jahr 2014 in England produzierte Dokumentation berichtet über das Leben der Dänin Hannah Nydahl, die im Jahr 2007 an Krebs verstorbene Ehefrau Ole Nydahls. Die Filmrezension betont u.a. die vielen Qualitäten Hannah Nydahls. »Hannah Nydahls Porträt« sei »gelungen und einfühlsam, immer wieder staunt man beim Zusehen über den unerschütterlichen Mut dieser Frau, die nie traurig oder angestrengt wirkt«.

Allerdings wird u.a. auch kritisiert, dass man den Film 10 Jahre nach ihrem Tod und so wie er gemacht wurde »ohne Schwierigkeit als geschickte PR erkennen kann«. Er sei »eine einzigartige PR-Show für Ole Nydahl« und hinterlasse »deshalb einen bitteren Nachgeschmack«.

Während Titel Thesen Temperamente mit einer weitgehend unkritischen, uninformierten und Mythen des Diamantwegs⁵ verbreitenden Filmrezension aufwartet, sind Auge und Verstand der Filmkritikerin Silvia Hallensleben geschulter. Sie erkennt die Dokumentation als einen unkritischen Werbefilm einer mit den Nydahls verbandelten Regie-Debütantin, Marta György-Kessler, und eines mit Werbefilmen vertrauten Co-Regisseurs. Hallensleben schließt ihre Filmkritik wie folgt ab:

Kritik kommt im Film nicht vor, schließlich ist Co-Produzentin und Regie-Debütantin Marta György-Kessler seit langem persönlich und geschäftlich eng mit den Nydahls und ihren Diamantweg-Zentren verbandelt. Co-Regisseur Adam Penny hat vor allem als Werbefilmer gearbeitet, was sich im visuell dichten aber auch hochgradig suggestiven Look des Films mit vielen in Zeitlupe flatternden Tauben und pompösen Toneffekten niederschlägt. So wird bald – auch schon bevor am Ende mit Pathos noch einmal ausgiebig die große Liebe von Hannah und Ole beschworen wird – unübersehbar deutlich, dass hier über den Umweg der Glorifizierung von Hannah Nydahl die Legitimation des noch praktizierenden Lama Ole Nydahl und seiner Diamantweg-Stiftung betrieben wird.

Im Rahmen der Beschäftigung deutscher Kultur-Redaktionen mit dem Film über Hannah Nydahl gab es am 05.01.2018 ein knapp 30-minütiges Interview mit Ole Nydahl, »Wie der Buddhismus in den Westen kam – Lama Ole Nydahl«⁶ (WDR 5, Reihe »Neugier genügt«). Ab Minute 24:30 antwortet Nydahl auf den Klärungswunsch und die Anmoderation des Moderators Jürgen Wiebicke: »Wie stehen eigentlich Religionen zueinander? … Gerade was Buddhismus und Islam angeht, gibt es im Moment ’ne Menge Stress«:

Wir mögen die Muslims überhaupt nicht. Also was sie machen und die Ganze, all das Humorlose und die unterdrückten Frauen und die beschnittenen Frauen, nicht, kein Klitoris und all das, … was da passiert und all das, nicht, das ist furchtbar.

Drei Tage später, am 08.01.18 kommentiert Stephan Karkowsky im WDR 5 Meinungsmagazin (Reihe »Politikum«, Minute 14:35), dass Moderator Jürgen Wiebicke hörbar die Kinnlade heruntergefallen wäre, als Nydahl »sein Mantra im Namen aller Anhänger wiederholte.« Nach Ansicht Karkowskys würde Ole Nydahl »auch heute noch Tausende mit seinen ›Hass-Predigten‹« beeinflussen. Karkowsky beschreibt Nydahl zudem als »islamophoben Witwer«.

Die bisher einzige Filmkritik, die vermeidet zu behaupten die Nydahls hätten »den Buddhismus« oder »den tibetischen Buddhismus« »in den Westen gebracht«, stammt von Mechthild Klein für den Deutschlandfunk. Ihr Beitrag differenziert, präzisiert und würdigt einerseits die Rolle der Nydahls als Pioniere »einer Schule des tibetischen Buddhismus im Westen«, setzt deren Rolle aber auch in den Kontext der wirklichen Entwicklungen »aber sie waren nicht die einzigen.« Die Filmkritik lässt den Theologen und evangelischen Weltanschauungsbeauftragten Jürgen Schnare aus Hannover zu Wort kommen, der von »eine(r) bebilderte(n) Heiligenlegende, eine(m) Werbefilm, speziell für den Diamantweg-Buddhismus«, einer »nicht unumstrittene(n) Bewegung« spricht. Als bisher einzige Filmkritik wird hier klar benannt, dass der Film völlig einseitig Partei für einen der zwei Karmapa-Kandiaten⁵ ergreift. Die Tibetologin Adelheid Herrmann-Pfandt wird zitiert:

Was aus meiner Sicht zumindest fragwürdig ist, dass der eine jetzt so als eine Marionette der Chinesen dargestellt wird. Und das ist ausgerechnet der, den der Dalai Lama schon anerkannt hatte, bevor der andere auftauchte.

Herrmann-Pfandt sieht den Dokumentarfilm in einer Reihe mit tibetischen Hagiographien, der Heiligengeschichtsschreibung:

Ich finde das immer ein bisschen schwierig, wenn ein Dokumentarfilm, ein eigentlich auf Information ausgerichteter Film, dann doch so stark Partei ergreift und außerdem auch so stark idealisiert. Das ist eigentlich eine Folge der Tibet-Mystifikation, die wir ja ungefähr seit 150 Jahren in westlichen Ländern haben, dass angenommen wird, dass Tibet ein Land ist, in dem lauter Erleuchtete leben. Und Westler, die unter diesen Einfluss geraten, sind dann eben auch erleuchtet. Also Hannah Nydahl wird als Erleuchtete dargestellt.

Am 21.01.18 strahlte der Deutschlandfunk ein Interview mit Sylvia Wetzel zum Tibetischen Buddhismus im Westen, Machtstrukturen im Tibetischen Buddhismus sowie Hannah und Ole Nydahl aus:


¹ Die SGI selbst wird durchaus auch kontrovers diskutiert.

² Die Recherche wird in deutscher Sprache und leicht geänderter Fassung im Dezember 2017 auf www.info-buddhismus.de online verfügbar sein.

³ Die Vermögensaufstellung und Ergebnisrechnung der »Buddhismus Stiftung Diamantweg« weist für 2015 ein Vermögen von 28 Mio. Euro an Grund und Boden sowie 2,26 Mio. Euro Jahresgewinn bei nur knapp 6.000€ Ausgaben für Mitarbeiter inklusive Sozialversicherung und Altersvorsorge aus.

⁴ Bei Babak T. ging es um 5 strittige Punkte á 10.000€ = 50.000€.

 ttt – Titel, Thesen, Temperamente (und auch andere Redaktionen) geben einige unbelegte oder fragwürdige Mythen des Diamantwegs als Fakten weiter, wie z.B. Ole und Hannah Nydahl hätten »den Buddhismus in den Westen« gebracht, Hannah sei die »Mutter des Buddhismus«, oder Ole Nydahl, habe den Titel »Lama« vom 16. Karmapa erhalten;* oder der von Nydahl unterstützte Karmapa Kandidat, Thaye Dorje, wird als der Karmapa promoted während der von der Mehrheit der Kagyu Meister und der Tibeter als Karmapa anerkannte Kandidat, Ogyen Trinley Dorje, als ›der chinesische Karmapa‹ verunglimpft wird.
Während der Film eine scheinbar zauberhafte, »reine« Liebesgeschichte zwischen Hannah und Ole Nydahl konstruiert, verschweigt er, dass sich Ole Nydahl Anfang der 1980er Jahre eine knapp 20 Jahre jüngere »Zweitfrau«, Caty Hartung, nahm; dass er mit spirituellen Schülerinnen und vielen hunderten Frauen Sex hatte und lässt außen vor, wie diese Promiskuität auf Hannah Nydahl und ihre Beziehung wirkte. Caty Hartung kommt im Film zwar zu Wort, aber nicht als »Zweitfrau«. Darüber erfahren die Zuschauer nichts.

* Nach Jäschkes Tibetisch-Englisch Wörterbuch steht lama (tib. bla ma) für der, die, das Obere, Höhere oder der Obere, der geistliche Lehrer und wird allgemein für die Standesbezeichnung eines Geistlichen oder Priesters gebraucht. Soweit ich sehen kann, scheint es für die Behauptung, Nydahl habe den Titel »Lama« vom 16. Karmapa erhalten, keine Belege zu geben. In den Dokumenten auf der offiziellen Ole Nydahl Website spricht der 16. Karmapa immer nur von »Ole Nydahl« und nie von »Lama Ole Nydahl« . Hätte der 16. Karmapa Ole Nydahl als Lama anerkannt, würde er gemäß tibetischen Sitten normalerweise von »Lama Ole Nydahl« sprechen oder »Lama Ole«, was er nicht tut. Kenner der Kaygue Tradition in Deutschland betonen, dass es Shamar Rinpoche war, der Ole Nydahl den Lama-Titel gegeben habe.

⁶ Was Ole Nydahl in Bezug auf die Vertreibung von Muslimen durch Buddhisten in Myanmar (Burma) in diesem 30-minütigen Interview mit Jürgen Wiebicke antwortet, ist aus meiner Sicht nicht weniger fragwürdig – wenn nicht skandalös. So behauptet Nydahl u.a.: »ich gehe zuerst über mein Wissen über Religionen aus und dann sehe ich aber Buddhisten sind überall für Friedfertigkeit und Freundlichkeit und und normales humanes Verhalten usw. da also hat irgendeiner vielleicht … die Facts irgendwie falsch zusammengebracht aus irgendwelchen Gründen, nicht …«, …, »und selbstverständlich sind Buddhisten auch Menschen, nicht, usw., mit menschlichen Gefühlen, aber ich denke nicht, dass es so ungewöhnlich ist, dass man das so groß machen muss…«. Als Moderator Jürgen Wiebicke durchblicken lässt, dass er Nydahls Aussage »aber jetzt nicht als ein klares Nein verstanden« habe, antwortet Nydahl: »Nein, das tue ich auch nicht. Buddhisten sind auch Menschen nicht und die haben Erfahrungen und wenn bei ihnen etwas passiert ist usw. und wenn es kräftig inszeniert ist wie von den Moslems, das wissen wir, in Myanmar geschieht, nicht usw.« […]

Zuletzt geändert: 30.01.18 

Updates Dezember 2017
Update Februar 2018
Update April 2018
Updates: »Machtmissbrauch und Buddhismus« | Juristische Verfahren gegen Nydahl-kritische Blogger | Doku Hannah Nydahl

12 Gedanken zu „Updates: »Machtmissbrauch und Buddhismus« | Juristische Verfahren gegen Nydahl-kritische Blogger | Doku Hannah Nydahl

  • 16. Dezember 2017 um 13:13
    Permalink

    Von Anwesenden beim Gerichtsverfahren habe ich gehört, dass es gar keine Handybeweise seitens des Anwalts Martin Kompa gegeben hat, die die angeblichen Äußerungen Lama Ole Nydahls wiedergeben… wenn Matthias Steingass anwesend war, kann er doch sicherlich die Behauptung von Martin Kompa bestätigen, oder?

    Antworten
    • 17. Dezember 2017 um 00:22
      Permalink

      Was ich von einer am Verfahren beteiligten Person erfahren konnte, ist erst mal nur, dass unstrittig ist, dass Nydahl behauptet hat, »Muslime schneiden Frauen im Namen des Islam den Kitzler ab« – das steht ja auch oben im Text.

      Nach Aussage dieser Person, wurde diese Aussage aber nicht abgemahnt. Jedoch habe das von Jan Weber vorgelegte Video – so die Person – diese Passage nicht enthalten, das Handy-Video der Zeugin aber schon.

      Strittig soll gewesen sein, dass der Blogbeitrag behauptete, Nydahl habe zu B. [schreibe das lieber nicht, sonst kommt Abmahnung Nr. 5] aufgerufen und eine etwas »eskalierende Zusammenfassung zu ›wählt die AfD‹«.

      Von Beweisen kann man nicht sprechen lernte ich vor kurzem. Es waren „Darlegungen“ wenn ich dieses Juristendeutsch richtig verstand, da es im Verfügungsverfahren keine Beweisaufnahme gab. Beide Seiten durften ihre Sicht darlegen. Im Rahmen dieser soll dann dieses unvollständige Video von Seiten Webers, der Nydahl vertritt, vorgelegt worden sein.

      Das Handy-Video wurde nicht vor Gericht angesehen, wurde aber als Beweismittel vor Gericht vorgelegt und auch als Abschrift. Die Richter hatten vorher die Akte gelesen.

      Der Rest war dann Verhandlungssache, um den Vergleich zu erzielen.

      Antworten
  • 18. Dezember 2017 um 12:03
    Permalink

    Wenn man das liest, dann möchte man ja sofort Wortprotokolle der Verhandlungen in Deutschland einführen, dann wäre ja geklärt, wer was vor Gericht gesagt hat. Wenn es sich hier um Streitigkeiten zwischen einer krichlichen Organisation und den anderen Beteiligten handeln würde, dann würde ich das Verhalten von Diamantweg und seinen Protagonisten als sehr unchristlich ansehen – könnte man es auch als „unbuddhistisch“ bezeichnen?
    Wie auch immer wir zu dem Neuen Testament stehen, als gute Lebenspraxis ist Matth. 5,37 noch immer unübertroffen: Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein; was darüber ist, das ist vom Übel. – Wenn Herr Nydahl kontroverse (in meiner Sicht: inakzeptable) Aussagen von sich gibt, dann hat er gefälligst entweder dazu zu stehen mit allen daraus folgenden Konsequenzen, oder, wenn er nicht mehr geistig zurechnungsfähig sein sollte, von seiner Lehr- und Leitungsposition bei Diamantweg zurückzutreten, um weiteren Schaden von seiner Organisation abzuwenden.

    Ich wünsche jedenfalls allen Beschuldigten, die sich Diamantweg zum Gegner gemacht haben, Ermutigung, Kraft und Durchhaltevermögen!

    Antworten
    • 18. Dezember 2017 um 16:39
      Permalink

      Hab meinen Kommentar – den ich schnell auf dem Handy schrieb – noch mal überarbeitet.


      Danke für Deine guten Wünsche.

      Meine Meinung und Gedanken zu Deinem Kommentar und diesen Sachen sind:

      Mir erscheinen Teile der Diamantweg-Führung verwirrt (in Bezug auf Ursache und Wirkung) und aggressiv.

      Statt diejenigen Blogger, die Ole Nydahls pauschalisierenden, Spaltung und Feindseligkeit fördernden Aussagen benennen und öffentlich machen, mit juristischen Abmahnungen oder Prozessen zu überziehen, sollten sie Ole Nydahl zur Rede stellen, stoppen oder absetzen – oder sich überhaupt mal öffentlich-kritisch diesbezüglich mit ihrem Oberhaupt auseinander setzen. Denn nicht die Blogger schädigen den Diamantweg, indem sie Nydahls fragwürdigen Aussagen benennen und öffentlich machen, sondern Ole Nydahl selbst durch seine eigenes Gerede. (Ein bekannter Medien-Anwalt nannte es an der Grenze zur Volksverhetzung.)

      Dass die Diamantweg-Führung das nicht sehen kann und sich statt dessen in solche, Blogger oder Kritiker einschüchternde und finanziell ruinierende Prozesse stürzt – oder auf Facebook ein fragender und kluger Komnentar eines Religionslehrers einfach gelöscht wird* – zeigt aus meiner Sicht, ein hohes Maß an Intoleranz gegenüber berechtigter Kritik, Verwirrung oder auch Aggressivität – wenn nicht sogar Schädigenwollen.

      Mit buddhistischen Tugenden, zu denen eben auch die Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion / Introspektion gehört, hat das meines Erachtens weniger zu tun.

      Man könnte aber auch die Blogger kritisieren, wieso sie überhaupt sich kritisch äußern und Missstände aufzeigen. Sollten sie nicht besser den Mund halten?**

      Ich denke Schweigen wird meist als Zustimmung aufgefasst. Schweigen unterstützt iR Missstände und beendet sie nicht. Schweigen kann Raum und Unterstützung für Spaltung, Verhetzung, Machtmissbrauch und Leid schaffen. Schweigen wird durchaus auch in Ole Kreisen als Zustimmung gewertet. Das Schweigen der DBU Führung – trotz mehrfacher Aufforderungen, sich kritisch mit Nydahls Äußerungen auseinander zu setzen und sich öffentlich zu äußern – wirkt ebenso als Zustimmung (oder Feigheit…)

      Ein Nydahl Anhänger schrieb auf dem Ursache und Wirkungs-Blog:

      In der DBU war das weitaus größte Mitgliedsteil, die Stiftung Diamantweg, lange wegen der klaren Islamkritik von Ole Nydahl isoliert. Seit 2 Jahren ist das nicht mehr so, denn die Berechtigung der Kritik, dass der Islam den Menschen nicht befreit, sondern unterwirft, wird mehr und mehr erkannt.

      Diese sogenannte Islam-Kritik fördert aus meiner Sicht Feindbilder, Ignoranz, Wut (oder auch Hass) und spaltet und polarisiert weiter unsere Gesellschaft. Dazu zu schweigen halte ich für unangebracht.


      * https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=1826087440985299&id=100007521810495
      ** Wo Blogger inhaltliche Fehler machen, ist Kritik und Korrektur natürlich berechtigt. Hier stellen sich dann aber ein paar weitere Fragen – für beide Seiten – über das wie, warum und die verwendeten Mittel…

      Antworten
  • 19. Januar 2018 um 16:04
    Permalink

    Für die Zukunft empfehle ich: wenn ihr Ole kritisieren wollt, dann macht es anhand eindeutiger beweise. Und nicht anhand der Erinnerungen von Zuhörern ( lückenhafte Erinnerungen welche dann auch noch ungeprüft weiterverbreitet werden. Ohne jegliche Beweis Substanz)
    Die lectures von Ole werden gestreamt. Eigentlich alles außer lama tsang mahamudra und geheime Belehrungen.
    Schneidet den stream mit. Dann läuft ihr auch nicht in Gefahr vor Gericht mit leeren Händen da zu stehen. Oder vor zurechtfrisierten beweisen.

    Antworten
    • 19. Januar 2018 um 17:49
      Permalink

      So ganz scheint Zusammenhänge der Meister Yoda gelesen haben nicht.

      Fall in meinem, oben geschildert, wird ein Zitat der Zusammenfassung des Gehörten einer Zuhörerin behauptet, dass Ole Nydahl das so wörtlich gesagt habe – was weder so intendiert war noch ist. In einem anderen Fall ging es um Hochkomma und dass eine Zuspitzung vom Richter als wörtliche Rede gewertet wurde.

      Es also komplexer ist.

      Andererseits haben Meister völlig recht aber übersehen nicht kennen er, die Hintergründe und die Unmöglichkeit ungeschnittene Aufnahmen zu erhalten oder ahnen hätte können, dass es relevant gewesen wäre für die Anwesenden oder Zuhörer, die dann schockiert wurden, mitzuschneiden. Beschwerden stammen ja von Schülern von Ole oder der Frau eines seiner Schüler.

      Aber als großer Lerneffekt stehe ich 100% hinter der Empfehlung von nun an alle Reden mitzuschneiden ob vor Ort oder via livestream.

      Antworten
  • 28. Januar 2018 um 13:35
    Permalink

    Geschrieben elegant diese Erwiderung du hast. – Schauen wir doch mal, ob der Diamantweg den Vorschlag aufgreifen wird. Ich wage es ja zu bezweifeln…

    Antworten
    • 28. Januar 2018 um 14:55
      Permalink

      Nun das Mitschneiden müssen die Leute schon selbst in die Hände nehmen. Vom DW ist da sicher rein gar nix zu erwarten. (Mehr dazu, wenn die anhängige 2. einstweilige Verfügung gegen mich juristisch aufgearbeitet ist…)

      Antworten
  • Pingback: Ole Nydahl hetzt und die DBU schweigt – Buddhismus auf Abwegen

  • 6. Mai 2018 um 21:51
    Permalink
    Update Mai 2018

    Heute beschloss die Mitgliederversammlung des gemeinnützigen Vereins »Klehranlage e.V.« mich als Blogger bei kommenden Gerichtskosten zu unterstützen. »Klehranlage e.V.« wurde vom bekannten Medienanwalt Markus Kompa gegründet und ist ein »Rechtshilfefonds für gegängelte Blogger« … »zur Abwehr von querulatorischen Eingriffen in die Meinungsfreiheit im Internet«.

    Zur Gründung von »Klehranlage e.V.« hier: http://www.kanzleikompa.de/2012/05/29/aktion-klehranlage/
    Aktuelles zur »Klehranlage e.V.« hier: http://www.kanzleikompa.de/2018/01/09/dr-nikolaus-klehr-klagen-bis-der-arzt-ging/

    Antworten
  • 17. Mai 2018 um 10:09
    Permalink

    Hier ist noch ein Update:

    Die Kosten für die juristischen Gegenmaßnahmen gehen auf stramme 20.000€ zu. Es hat sich ein Unterstützerkreis gebildet, der Spenden für die Verteidigung/ juristischen Kosten sammelt. Details hier: https://m-buddhist.blogspot.de/2018/05/spendenaufruf.html

    Wer die 5seitige Stellungnahme meiner Anwältin zu den Verfahren haben möchte – die Stellungnahme erhielten auch die Delegierten der diesjährigen DBU Mitgliederversammlung – kann sie bei mir via tenzin@gmx.org anfragen. Ich sende sie dann zu.

    Antworten

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: